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27.09.13

"Die Eule auf dem Beifahrersitz anschnallen und mit ihr verschwinden"

Gestern sah ich Benjamin Maack in einem lustigen kleinen Auto sitzen. Das stand
vor dem Haus, in dem ich wohne.
Ich wollte gerne vor der Scheibe stehen bleiben und Zeichen geben. Hallo
Benjamin, kannst du dich an mich erinnern. Aber er telefonierte.
Ich weiß jetzt nur, dass sein Bart länger geworden ist.

Und ich weiß, dass nicht alle sein letztes Buch gelesen haben, sonst wäre das Auto größer gewesen. Und das Telefon schnurlos.

11.03.11

Einiges im Blocksatz zusammengefasst

Die durchgehende Kleinschreibung führte nicht mehr weiter. Darum schreib ich jetzt ein Wort wie Wort nicht mehr wort, sondern Wort. Auch in Gedichten, die Wörter. Und ich esse keine Tiere mehr seit Jahresbeginn. Das war kein guter Vorsatz, das war eine Notwendigkeit. Letzten Anstoß gab das Buch von Karen Duve, das ich nur wärmstens empfehlen kann. Es ist spannend zu lesen und lässt einen nicht kalt. Im Nachhinein ist es mir fast ein bisschen unangenehm, dass ich nicht früher und selbständig über meine Essgewohnheiten nachgedacht habe (ich hab schon mal ca. ein Jahr lang kein Fleisch gegessen, aber die Gründe waren eher oberflächlich). Nach einer Woche Vegetarierdasein entschied ich mich dann, fortan vegan zu leben. Und was soll ich sagen? Käse ist manchmal wie Sex, sehr verlockend. Aber man kann glücklicherweise auch Sex haben, ohne dass Tiere leiden müssen. Es geht hervorragend und das Essen danach ist köstlich. Ich kann es nur lobpreisen, das vegane Leben. Vegetarismus hingegen würde ich fast verlangen wollen (wenn ich vor sechs Wochen etwas darüber geschrieben hätte, dann wäre das wesentlich missionarischer geworden, so verlange ich das einfach nur nüchtern und sachlich von euch denkenden Menschen). Was anderes: Das beste Album des letzten Jahres war für mich "Hurra! Hurra! So nicht." von Gisbert zu Knyphausen ("Die Welt ist gräßlich und wunderschön", "Gegen Fernweh hilft nur das Heimweh, das rufe ich und renne los" etc.). Wollte ich mal loswerden, ohne gleich eine ganze Liste mit Alben hinzuschreiben, dieses eine reicht. Ansonsten Mendelssohn. Und Beethoven, meine Güte. Und zwar unter dem Dirigat von Otto Klemperer. 1990, Heavy Metal war meine Frisur und meine Musik, kam mein Neffe auf die Welt, mein Vater kam aus dem Krankenhaus und brachte mir die erste Ausgabe von "Große Komponisten und ihre Werke" mit, das war eine Heftreihe samt CD mit Meilensteinen der klassischen Musik. Die genannte Ausgabe widmete sich der Fünften Sinfonie von Ludwig van Beethoven, gespielt von den Wiener Symphonikern unter Otto Klemperer. Ich verliebte mich. In den letzten Jahren hörte ich überwiegend Bach und Dvořák, mein Neffe wurde erwachsen und trinkt jetzt gerne Bier. Dann war ich vor ein paar Wochen in der Laeiszhalle und u.a. wurde da Beethovens drittes Klavierkonzert gegeben, das mich sehr packte und ich kaufte mir mehrere Versionen der Klavierkonzerte und schließlich auch einige Gesamtausgaben der Sinfonien. Schlussendlich suchte mich der alte Klemperersound heim und ich fühlte mich zuhause (nur die Haare wachsen nicht mehr so). Das ist ja eine Wissenschaft für sich, welche Dirigenten für bestimmte Stücke die besten sind, ich lese das sehr gern in Klassikforen wie diesem, auch wenn das alles nicht wirklich in Allgemeingültigkeit übersetzt werden kann. Ich übersetze meine Person jetzt in einen schönen von Freitag-auf-Samstag-Schlaf und komponiere darin eine Melodie für den Weltfrieden.

26.07.10

notizzettel

früher mochte ich lothar matthäus aus herzogenaurach, mochte ich nicht helga beimer aus der lindenstraße. jetzt lese ich manchmal überschriften über diesen ehemaligen fußballer und dauernden ex-ehemann, habe ich nur einen ex-fernseher. manchmal schüttle ich den kopf, aber gucke wieder lindenstraße, einmal in der woche per stream. während also er, der mit dem formidablen ex-spannschuß, einen tor macht, hat sie, die beschürzte immer nur warnende nervenputzfrau aus den 80ern, sich entwickelt: sie steht jetzt im abseits der familienbande, steht da für sich und wartet auf die anderen, auf ne art gelassen, im stich, stärker, im profil.

gestern bin ich geweckt worden von dem heftigen geschrei einer frau (mord, totschlag), das im hinterhof widerhallte wie das schreien von zwei frauen, die gleichzeitig ermordet und totgeschlagen werden. dann kam das grunzen und stöhnen eines mannes dazu und sie kamen. tatsächlich. in einklang. im chor. schaukelten sich laut und heftig zum orgasmus. danach übte jemand anderes (hoffe ich): tonleitern.

ich bin in der neuen belletristik (nr. 10) mit einem gedicht vertreten, das von judith sombray illustriert wurde. und in der aktuellen ausgabe der bella triste (nr. 27) bin ich auch drinne mit einem frage-antwort-spiel ohne fragen, so sage ich dann zum beispiel: "obwohl ich ein notizbuch habe, habe ich das selten griffbereit, dann schreib ich doch wieder (wie seit jahren) alles auf irgendwelche zettel und die liegen nun lose in taschen, bett- und brotkästen oder unter katzen herum."

04.06.10

ein abend im wohlers park

wir saßen auf einer bank. weil gestern einfach mal sommer war.
hinter den rhododendren saß eine gruppe mit fernseher.
weil im radio ja dauernd nur über blinde gesprochen wird. als wären die alle unter einsfünfundfünfzig und man könnte leicht über sie sprechen.
da wird immer viel behauptet im radio und keiner sieht es ein.
es war länderspiel, germany's next top model, irgendwann sternenhimmel. und viel werbung. die immer ein bisschen lauter ist.
bis der alkohol lauterer wettbewerb wurde. die stimmen sich verzerrten und streckten.
für uns radio. da hinter den rhododendren. wir hörten nur die münder.
ich hab mit dr. schneider gewettet. leberchirurg. er sagte, dass man waffen-ss nicht mit scharfem s schreibt.
ich sagte, nee, das ist ja nicht so ein wort wie joseph beuys. wir haben gewettet. er hat gewonnen.
sagt er zumindest. jetzt schulde ich ihm ein eis. der ist aber schon nett.
wer, der eis?
ja, vielleicht, aber: muss es nicht die eis heißen? wie immer, wenn es mehrzahl ist. die mehrzahlen. es ist ja die mehrzahl von ei.
ostern ist also eiszeit.
jetzt tauten wir auf, wir waren verliebt, es war gestern auf jeden fall sommer.

01.09.09

morgen fahr ich fahrrad

gestern stand ich im dienstwagen sitzend an der ampel, gisbert zu knyphausen sang ziemlich laut vom neuen jahr, mir reichte schon der feierabend, aber ein anderer hatte bereits urlaub und war ziemlich abwesend, donnerte mir trotzdem und deswegen hinten mit karacho rein (und ich sah ihn noch im rückspiegel heranbrausen, er hatte den blick zur seite gerichtet und als er nach vorne sah, hatte er noch ca. zehn zentimeter bremsweg übrig).
heute wurde ich von der polizei in einem anderen dienstwagen aus dem verkehr gefischt, ich musste übungen absolvieren, die irgendeinen hinweis darauf geben sollten, ob ich drogen nehme/genommen habe. die eine bestand darin, dass ich den kopf in den nacken legen und die augen schließen sollte, um dann nach einem startzeichen 30 sekunden so exakt wie möglich abzuschätzen. angeblich haben meine 30 sekunden 50 sekunden gedauert. das war natürlich sehr verdächtig. wann haben sie zum letzten mal gekifft? ich bitte sie, die arme einfach seitlich runterhängen zu lassen, ich komme ihnen jetzt nämlich ziemlich nahe und ich möchte sichergehen, dass ich ihre hände im blick habe, damit sie mich nicht angreifen, sie möchten ja sicher auch nicht, dass ich ihnen weh tue. wann waren sie zuletzt mit leuten zusammen, die gekifft haben? sie sehen müde aus. nehmen sie sonst irgendwas? einen angenehmen tag noch.
exakt 30 sekunden später begann ein neues jahr und gisbert zu knyphausen sang lauter als jemals zuvor.

11.11.08

merkwürdigkeiten

1. meine freundin hat mir zum geburtstag den schönen gedichtband "die ordnung des schnees" von andreas münzner geschenkt (ein buch, das ich mir schon öfter mal herbei gewünscht habe, aber irgendwie ging ich nie darauf zu). naja, es ist sogar mit einer widmung versehen. und mit andy unterschrieben. ich habe erst gedacht, ich habe mich verlesen. dann sagte meine freundin aber, dass er auch andy genannt wird, der andreas münzner, sich sogar selber so bei ihr vorgestellt hat (sie sind zusammen in einer schreibgruppe). und ich kann es auch tage später nicht begreifen, andreas münzner ist doch kein andy. denke ich und kann es nicht begründen. selbst eine katze, die ich nach ihm benennen würde, könnte ich nie andy rufen.
2. da gibt es eine band: busch. und da gibt es auch einen sänger und songschreiber dieser band: kreuder. schließlich gibt es noch einen, der den für ziemlich begnadet hält: mich. aber: er, der kreuder, der mika, der kerl, schreibt zu wenige songs. oder veröffentlicht sie zumindest langsamer als die spd ihre glaubwürdigkeit verscherbelt.
3. ich führe gegen johannes p., einen durchschnittsmann aus hamburg-blankenese, mit 2:0 sätzen beim tischtennis, habe einen matchball im vierten satz und verliere doch noch 2:3. obwohl ich klar besser bin. ich schätze, dass ich momentan zu den besten sieben millionen tischtennisspielern der welt gehöre. okay, china ist groß... europas... sechs millionen.

04.11.08

etwas leiser, etwas weniger, etwas gar nicht bitte

letzte woche beim leonard cohen-konzert: ein rebell mit ohrring und jeanshemd, der mit den absätzen seiner cowboystiefel einen takt schlug. keine ahnung welchen.
gestern bei einer lesung von jo lendle und markus orths: ein vollidiot, der (die geschichte ist müßig, eigentlich reicht fast schon, wenn ich sage, dass da ein vollidiot anwesend war)... der erst ein fast volles glas wein vom tisch kippt, dann blöde lacht, sagt, ich lad sie dann später auf ein glas ein, ist das okay? warum einladen, fragt man sich (das wäre, als ob die bank behaupten würde, sie schenke einem das geld, das man aus dem bankautomaten zieht). in der pause muss er dann zu seiner achso höflichen einladung erst noch aufgefordert werden. der vollidiot bringt dann ein schwankendes, kleckerndes glas ("da kommen sie ja jetzt richtig gut bei weg"). kurz darauf rüttelt er beim vorbeigehen witzigerweise am tisch, kippt das glas beinahe wieder um, verschüttet einen beträchtlichen teil und lacht blöde. dass das ja nun überflüssig war, quittiert er mit einem "ich dachte, sie hätten mehr humor".
publikumsbeschimpfung, part irgendwas: ich kann euch oftmals nicht leiden/ertragen/haben.

 
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