Releaselesung am 14.10.2016 im Enfants Artspace.
Da die Empörung mittlerweile nicht mehr ganz so leidenschaftlich ist und die Drohgebärden auch nicht mehr den nötigen Bums haben, wage ich es. Ich oute mich nun. Ich bin ein unartiger Junge gewesen. Ich war Uwe Uns.

Uwe Uns war ein Möchtegernbahnhofsbuchhandlungsbestsellerautor. Er schrieb in ein paar wenigen Monaten im Jahr 2016 ein Spottbuch über Hamburg (sehr große deutsche Kleinstadt, die sich damit brüstet, Musicalhauptstadt Europas zu sein).
Das Buch heißt "111 Gründe, Hamburg zu hassen" und hat sich ungefähr ebenso oft verkauft. Ernsthaft, es ist wirklich ein richtiger Ladenhüter (erschienen Mitte Oktober 2016 gingen bis Ende 2016 noch 770 Exemplare über den Ladentisch, 2017 waren es dann 75 Stück und 2018 nur noch 17 kärgliche Bücher). Und dieser Uwe Uns hat dadurch gelernt: Leg dich nicht mit Hamburg an, schließlich findet in dieser Stadt der supergeile Schlagermove statt. Hamburg zu verspotten bringt also kein Geld, keine Ehre und auch keine Leser. Weil ja auch viele Leute nicht verstanden haben (q.e.d.), dass das Buch nicht gänzlich todernst (so in der Art: Opa stirbt morgens, der Kanarienvogel nachmittags und abends dann auch noch Mike Krüger) gemeint ist.
War dennoch eine interessante Erfahrung. Jeden Feierabend schrieb ich und dachte irgendwann tatsächlich: Ha, dann kann ich auch einen Roman schreiben. Später dann.
Jetzt warte ich, dass es später wird.
Ich brauche wohl den Druck. Damit etwas in Druck gehen kann. Noch so ein Auftragswerk? Eher nicht. Das Konzept kam vom Verlag, 111 Gründe, das waren schon sehr viele Gründe zum Verzweifeln.
Aber toll war die Release-Lesung im Enfants Artspace, für den Elan und die Unterstützung bedanke ich mich herzlich bei meinem Freund Rüdiger Beckmann.
Hier ein kleiner Auszug aus der Lesung:
Soll ich erwähnen, dass in dem Buch tatsächlich ein paar ganz gute Texte versteckt sind? Nein, das mache ich nicht, das habe ich gar nicht nötig. Hamburg kann mich einfach mal gernhaben.
Gleich nachdem er das Haus verließ, fiel eine Krähe aus dem Himmel herab und sauste direkt vor seiner Nasenspitze zu Boden. Es war so knapp, dass er riechen konnte, was der Vogel zuletzt gefressen hatte. Einen Apfel. Als dann noch der Busfahrer nach fünf Minuten Fahrt einen Herzinfarkt erlitt und ihm seine Mutter, während er auf einen anderen Bus wartete, per WhatsApp mitteilte, dass sie jetzt mit seinem Chef zusammen war, also seine Mutter und Herr Placken ein Paar waren, küssend, kopulierend und über ihn redend, da überlegte er kurz, ob er nicht einfach unverrichteter Dinge nach Hause zurückkehren sollte. Deutlichere Anzeichen waren ja kaum möglich, dieser Tag konnte nichts Gutes mehr bringen. Aber er entschied sich anders, setzte den Weg zum Plattenladen fort und kaufte sich das neue Blumfeld-Album.
das Wort Vogel in den Himmel schrieb
und log und als er Sonne falsch buchstabierte
da wurde Nacht
und hunderte Städte lehnten
sich gegen das Dunkel
und fielen um
fielen auf Bäume
die auf Menschen fielen
die auf tote Menschen fielen
12 Jahre lang schiss Gott nur Tränen
als der Vogel starb, wechselten die Wunden
den Arzt und blieben offen
für das Ende von Menschlichkeit
Wenn Martin Schulz ein Hund wäre, würden wir ihn gerne Willy Brandt nennen
Wenn Martin Schulz ein Geruch wäre, trügen wir ihn, wenn wir in der Gasse hinter dem Fischrestaurant nach lange vermissten Verwandten suchen würden
Wenn Martin Schulz eine Todesart wäre, wählten wir Alice Weidel und lachten sie aus
Wenn Martin Schulz ein amerikanischer Präsident wäre, würden wir alle zehn Kilo weniger wiegen und die Welt wäre um einiges leichter
Wenn Martin Schulz Sigmar Gabriel wäre, wären wir selber schuld.
Das ist die Schuld von Ulrich Koch, der sicherlich selig schläft gerade, mit ruhigem Herzen.
Wie es sich wohl anfühlen muss, solche Gedichte zu schreiben?
Sie zu lesen, lässt einen leuchten.
Kauft das Buch, es ist unumgänglich.
"Selbst in hoher Auflösung"
Danke!
Tja, es hat lange gedauert. Und es lag an mir. Aber nun ist sie fertig, meine neue Podcastfolge. Ich spreche darin mit Gerald Fiebig, der mir persönlich sehr geholfen hat, als ich angefangen habe, ernsthaft Gedichte zu schreiben und dann auch sehr erpicht darauf war, diese zu veröffentlichen. Darüber hinaus ist er ein toller Dichter und Audiokünstler.
Podcast Folge #5: Großer Platz im Kopf
Lange ist es her:

Hohenbrunn, 2004
Nach dem kürzlichen Abgesang auf meine Gedichte, folgt hier dennoch/deswegen ein Link zu frischen Englisch-Übersetzungen alter Gedichte von mir (aus "biete bluterguss & suche das weite", in Übersee auch bekannt als "offer hematoma & seek the wide"), übertragen von Maria Hofmann.
Zur aktuellen Ausgabe von "No Man's Land"
"closer I cannot get to you today"
Ich habe im letzten Jahr quasi keine Gedichte geschrieben. Ich lese derzeit keine Gedichte. Ich verblute nicht im übertragenen Sinne.
Es gab schon immer solche Phasen. Dass Gedichte für mich sind wie Bedienungsanleitungen für Kochlöffel.
Und meine Gedichte sind wie selbstklebende Briefmarken. Das Porto zahlt aber der verdammte Empfänger.
Dass ich es dieses Jahr nicht ins "Jahrbuch der Lyrik" geschafft habe, das trifft mich. Kann ich ja auch gern zugeben, interessiert ja eh keinen. Als Dichter nimmt mich kaum einer wahr geschweige denn ernst. Eingereicht für die Anthologie habe ich zehn Gedichte aus 2015, die ich für gut halte. Dass ich aber nun nicht vertreten bin, dafür wieder unzählige Scheißgedichte in dem Buch zu finden sein werden, das frustriert mich. Und ich weiß nicht, wie ich so neue Gedichte schreiben soll. Wenn ich nicht mal ein klägliches Gedicht im "Jahrbuch der Lyrik" unterbringe, wie sollte da ein Verlag auf die Idee kommen, ein ganzes Buch von mir herauszubringen?
Hier gleich einmal vorab ein paar eurer Gedanken, damit ihr euch nicht bemühen braucht: Unreifes banales Gehadere, hält sich wohl für den Tollsten, wenn er so dichtet wie er klagt, dann sollte er froh sein, dass er nicht veröffentlicht wird, herrje, was für eine weinerliche Mimose, es hat schon seinen Grund, dass ich kein Gedicht von ihm auswendig heruntersagen kann.
Hier einer meiner Gedanken: Pfff!
Lyrik zur Teatime.
Am 29. Januar lese ich um 17.00 Uhr im Hamburger Literaturhaus im 1. Stock zusammen mit Sylvia Geist Gedichte vor, wahrscheinlich laut. Man kann also sogar husten währenddessen. Oder als Antwort Wörter brüllen, die sich auf unsere reimen.
Kommt nicht alle, nur die mit Zahnlücke.
Eintritt: 7 Euro.
Aufpassen, das Jahr ist nicht die Hölle, sondern nur ein möglicher Weg dorthin.
Gehaben Sie sich wohl, Herr Komiker.
' Cute little Bird Machine'Very cute little vintage mechanical singing bird mechanism.Made in the 1890's in Paris,probably by Bontems.The mechanism was in a rusted and seized state and has been restored. Surprisingly even the bellows are in good original condition.more great videos:https://www.youtube.com/user/69mechanikfacebook/ https://www.facebook.com/The-House-of-Automata-156844667689921/?fref=tswebsite:http://thehouseofautomata.com/
Posted by Mesmerizing Instruments and Sounds on Sonntag, 24. Januar 2016
Am 3. Februar (Mittwoch) lesen Carsten Brandau, Claudia Claus, Andreas Dauerer, Petra Kluge und ich unsere Texte, die in der Writers' Room-Anthologie "Dachkammerflimmern" erschienen sind.
Ort: Chavis Kulturcafé, St. Pauli
Beginn: 19.30 Uhr
Eintritt: frei
Mikro: nein
Wetter: Hamburg
Nachwelt: vielleicht
„Allen Gewalten zum Trutz sich erhalten“ (J. W. v. Goethe)
Paris ist aus der Stadt hinaus aufs Land gefahren
um die Abschaffung des Lebens zu überdenken
unterdessen wurde der Welt vom Krieg der Mensch erklärt
manche nahmen den Ernst und fällten ihn wie einen Baum
sie stahlen den Himmel über der Krone
und spannten ihn über ihre leere Brust
in den Manteltaschen Blut für die schlechtesten Zeiten
in den Köpfen der Vorteil, kein Mensch sein zu müssen
Markus Söder wollte ebenfalls kommen, rief dann aber an
dass er sich verspäte, weil man ihn auch umgebracht habe
doch es gebe eine bessere Lösung, jubilierte er, er bringe
sie mit. ich saß vor dem Fernseher, schaltete den Ton aus
betrachtete Köpfe ohne den Schrei nach Gerechtigkeit in ihren Mündern
ich lieh ihnen meine Stimme, so konnten sie nur über mich etwas sagen
das, was ich dachte, da ich die Menschheit selbst nicht mehr verstand
so gab ich zu, dass ich nur noch halb war: halb froh und halb lebendig
halb erregt und halb verschlossen. ich erwähnte freimütig
dass ich selbst vom Tod abstammte. dann sagte ich: Paris
du bist mein Ohr, in das ich jetzt flüstere: Schlafe gut
in diesem Nachtzug, der nun zurückfährt in dein Land
in dem fortan alles und jeder hell erleuchtet sein wird, schlafe
auch du gut, Menschheit, Erfindung der Menschheit, ruhe aus
Bevor ich nach Wien fliege, tue ich Euch noch einen Reisengefallen Riesengefallen. Ich befehle Euch etwas. Nämlich:
Lest Ulrich Koch! "Ich im Bus im Bauch des Wals".
"Koreanische Apnoetaucherinnen, die vor Jeju nach den Tränen ihrer Töchter tauchen" und andere Schönheiten.
""Ben?"
"Ja."
"Willst du mit mir schlafen?"
"Ja", sagte er. "Das will ich."
"Hier im Gras", sagte sie.
"Ja."
Sie blickte zu ihm hoch. Im Dunkeln waren ihre Augen sehr groß.
"Mach es so, daß es schön ist", sagte sie.
"Ich will's versuchen."
"Langsam", sagte sie. "Langsam. Ja..."
Sie wurden zu Schatten in der Dunkelheit.
"Ja", sagte er. "Oh, Susan.""
(Stephen King, Brennen muß Salem)
Hier ein feministisches Gedicht, das in einer Tisch-und-Bett-Schreibwerkstatt, die ich mit Judith Sombray betreibe, entstanden ist.
Dieses Thema ("Feminismus", von mir gestellt) war anders, vielleicht schwieriger als andere ("Auto", "Lampe" etc.), aber es war auch erhellend (wie eine Lampe) und hat mich weitergebracht (wie ein Auto).
Hier also mein Gedicht zum Thema, Judiths ist auf ihrem Blog zu lesen.
Nach Diktat vereist
Weil die Nacht im Spiegel nicht zu sehen ist
ist das Gesicht darin nicht traurig genug
nur die Haare sind schwarz, aus dem Zimmer nebenan
kommt das Geräusch von kürzeren Geräuschen
die im Hals stecken geblieben sind, ein Diktat
Doppelpunkt wir sind männlich
Absatz mit freundlichen Grüßen
komm auf den Eisberg, wir werden Namen ausrufen
und vielleicht ist deiner darunter
während es in den Vorstädten bereits darauf schneit
Zwischenüberschrift: Gleichberechtigung
das ist ein Tag wie ein abstürzendes Flugzeug
düsteres Licht von weit oben, im Sorry Center nur leere Stühle
die dicken Frauen sind nicht zurückgekehrt, aber die dicken Männer
liegen auf den dünnen Männern, die dünneren Männer
rutschen zwischen die fiesen Männer, die fieseren Männer
schlagen auf die kleinen Männer ein, die kleineren Männer sehen auf
Frauen herab, wie Frauen nie an sich herabsehen, an heranwachsenden
Frauen, an halbstarken Frauen, an mächtigen Frauen
liegt es, die kleinsten Männer kennen nur die eigenen
Mütter von unten, aber auch ein schlechtes Haus hat Stockwerke
ein Irrtum wächst über die Jahre bis nach oben, sich selbst begattend
Herrenhäuser werden Hausherren von Hausherren vermacht
in stahlblauen Augen kein Gitter, kein Vorhang, himmlischer Ausblick
da ist noch Luft nach oben, durch das Einsaugen dieser
erhebt sich die Chefetage in den luftleeren Raum, diese Männer
sind aus Federkleid und Unmündigkeit geschlüpft, sind aus
auf vererbbare Frauen, auf Frauen aus klirrendem Glas
auf Frauen aus Vorzimmern, die zum Himmel stinken
und mal wieder rosa gestrichen werden müssten
mit noch freundlicheren Grüßen:
von einem Weibsbild sind regelmäßig Röntgenbilder zu machen
um zu kontrollieren, ob das Wesen darin sich verändert
Religion schützt die Menschen nicht
vor Dummheit, auch zwei Religionen schützen die Menschen nicht
vor Dummheit, drei Religionen schützen nicht einen einzigen Menschen
vor der Dummheit, auch wenn sie ihn umzingeln können
vier Religionen schützen nicht vor
fünf Religionen, fünf Religionen machen müde
sechs Religionen machen
lebensmüde, sieben Religionen machen Lebensmüde
zu Scharfschützen, Scharfschützen machen aus blutigem Ernst
eine Religion, die keine weitere neben sich duldet, acht Religionen
schützen die neunte Religion vor bösen Überraschungen, neun
Religionen sagen: Mensch, wir schützen dich
vor Dummheit, das kannst du ruhig glauben
gerne auch ganz laut, sprich hier hinein, bevor es blitzt
zehn Religionen hüten ihre Machtgeilheit wie eine Impotenz
elf Religionen schützen die Menschen nicht
vor den Menschen und zwölf Religionen schützen dann auch nicht mehr
die Dummheit vor der Menschheit
sie hatte noch keinen Namen, sie war die Unordnung, haushoch stapelbar
die beiden kamen selten aus der Tür, die Bäume blieben vor dem Fenster
er spielte sich die eigenen Hilfeschreie unter dem Kopfhörer vor
jedes Mal wenn er lachte, schaltete sie ein weiteres Licht aus
so kam schließlich die Nacht, dorthin hatte er sich schon seit Stunden gedacht
er drehte seinen Körper aus der Fassung
es gelang ihm nicht, in einen fremden Traum zu gelangen, er blieb
der Hausmeister mit Regentropfenbart
mit einem Anrufbeantworter, der nicht sprach
sie stieg in die obere Etage und brachte das Gebäude zum Wanken
sie berührte fast die Vögel, die von den Wolken an Land gebracht wurden
und dann das Morgengrauen: am Himmel eine bleibende Erinnerung
sie fragte nicht, sie kam selbst aus der Vergangenheit
und für sie blieb auch er ohne Namen
er war einfach schwer zu erkennen unter all den Umständen
Günther Emig und Peter Engel haben eine neue Literaturzeitschrift gegründet: Hammer + Veilchen - Flugschriften für neue Kurzprosa.
Die Zeitschrift soll alle drei Monate erscheinen.
Die erste Ausgabe ist gerade herausgekommen (ich bin auch darin vertreten, dazu u.a. Mirko Bonné, Elke Engelhardt und Gunter Gerlach).
Auf der Website kann man sich die kostenlos als PDF runterladen.
Gegen Rückporto kann man sie auch in gedruckter Form erhalten.
Am Schicksten ist meiner Meinung nach die Kindle-Version für 19 Cent.
Amazon-Boykottierer können hier das eBook im epub-Format bekommen.
Kurz- und Sehr-kurz-Prosa ist etwas sehr Anziehendes. Kleiden Sie sich neu ein, es ist Herbst!
Achja, am kommenden Sonntag (24.08., 18.00 Uhr) lese ich kurz und knackig auf der "Lesebühne Hamburger Ziegel", die wohl wegen des herbstlichen Hamburgs von den Magellan-Terrassen in die Kühne University Logistics gleich nebenan verlegt wird (Großer Grasbrook 17). Ich lese nicht meinen pornografischen Text, der auszugsweise im bald erscheinenden Ziegel zu finden sein wird. Vielleicht liest Harald Martenstein ja was Schweinisches. Der ist nämlich Special Guest am Sonntag. Außerdem lesen Friederike Gräff und Karen Köhler, deren neues Buch dann direkt, eine Minute nach der Lesung, bei Hanser erscheint.
Am 19. Februar bestreite ich die 21. Ausgabe von Peter Engels Lesereihe "Lyrik im Café".
Das Ganze findet wie immer statt in Chavis Kulturcafé in der Detlev-Bremer-Str. 41 auf St. Pauli.
Beginn 19.00 Uhr, kostet nichts, Herr Engel moderiert, der Lärm draußen macht trotzdem weiter.
Gestern sah ich Benjamin Maack in einem lustigen kleinen Auto sitzen. Das stand
vor dem Haus, in dem ich wohne.
Ich wollte gerne vor der Scheibe stehen bleiben und Zeichen geben. Hallo
Benjamin, kannst du dich an mich erinnern. Aber er telefonierte.
Ich weiß jetzt nur, dass sein Bart länger geworden ist.
Und ich weiß, dass nicht alle sein letztes Buch gelesen haben, sonst wäre das Auto größer gewesen. Und das Telefon schnurlos.
Ich habe mal auf Arte eine Dokumentation über Frank Sinatra aufgenommen, den ich mit 17 sehr verehrte. Teil dieser Doku waren Ausschnitte aus der Aufnahmesession zu "It Was A Very Good Year".
When I was 21... war das Band der VHS-Kassette ziemlich abgenudelt, Frank Sinatra lebte noch und ich hatte ihm einen Brief geschrieben. Ich begann zu studieren. Ich fuhr das Fahrrad meines Opas durch Landshut.
Im Mai 1998 sagte mir meine Freundin, die mir schon tagelang vorgebetet hatte, dass es zwischen uns vorbei ist, dass Sinatra gestorben sei. In Straubing war das, in unserer gemeinsamen Wohnung. Sie stand am Spülbecken, ich kam gerade aus dem Gefängnis. Ich setzte mich an den Küchentisch und aß einen Apfel. Mein Praktikum im Gefängnis ging zuende und wir kündigten die Wohnung.
When I was 35, it was a very good year. Ja, tatsächlich.
Das Jahr, in dem die Kopfhörer erfunden wurden, war auch ein sehr gutes Jahr. Diese Stimme direkt in den Ohren zu haben und dazu dieses meisterhafte Arrangement von Gordon Jenkins, das erfasst mich immer wieder von vorne bis hinten und innen und unten und sehr tief und sehr high.
In diesem Video sieht man, mit welch konzentrierter Lässigkeit Sinatra ans Werk ging. Besser als dieser Mann hier kann man nicht singen. Der Song wurde 1965 auf dem Album "September Of My Years" veröffentlicht.
Es wird tatsächlich Herbst gerade, aber es gibt immer noch ein paar dieser wärmenden Momente.
Jetzt ist es offiziell: der Fixpoetry Verlag erscheint künftig im Horlemann Verlag. So wie die Sonne im Wetter zu scheinen scheint, während das Kind im Manne ein Mannweib während einer Hochzeit heiratet. Das Loch im Loch ist nicht zu finden.
Damit ist auch der Nähekurs nach Berlin umgezogen. In Hamburg regnet es.
, habe ich jetzt einen Podcast.
http://hindringrrrr.podspot.de/
Feed: http://hindringrrrr.podspot.de/rss
Mal hören, was da herauskommt.
Meine Gedichte in Anthologien sind wie Leserbriefe an Sexzeitschriften.
In zwei Sammlungen bin ich gern drin, darum sei hier darauf hingewiesen.
Zum einen freut es mich, dass mein Gedicht "Elternabend" im "Jahrbuch der Lyrik 2013" zwischen Gedichten von Herta Müller und Ulrike Almut Sandig steht. Am Aufregendsten finde ich allerdings, dass auf Seite 256 ein Gedicht von John Updike abgedruckt ist, denn das bedeutet: Ich zusammen mit John Updike in einem Buch! Updike ist Gott, dachte ich früher oft.
(Die zwei Gedichte von Alexander Gumz gefallen mir außerdem sehr).
Auf eine andere Anthologie, die meiner Meinung nach besonders ist und die schon im letzten Jahr erschienen ist, möchte ich etwas verspätet doch noch hinzeigen: "Ich bin von dem grauen Elend zerfressen", herausgegeben von Florian Voß in der Lyrikedition 2000. Der Untertitel der Sammlung heißt "Gedichte und Erwiderungen". Es handelt sich dabei um Gedichte von Georg Heym, dessen Todestag sich 2012 zum hundertsten Mal jährte. Zeitgenössische Dichter haben seine Originaltexte, die auch alle mit abgedruckt sind, zum Anlass genommen, weiterzumachen, zurückzuschieben, umzudeuten, abzuspringen oder sich zu verbeugen. Die sehr schöne Idee von Florian Voß ist zu einem sehr lesenswerten Band geworden. Mein Gedicht heißt "Und der R. rauscht" und nimmt Bezug auf Heyms Gedicht "Nacht".
Also, bitte weiter Gedichte lesen!
... da ist es doch schön, wenn man nach Hause kommt und ein Gedicht hängt an der Wand. Oder sogar zwei. Der aktuelle Poetryletter bei Fixpoetry mit zwei Gedichten aus "Nähekurs".
Anklicken, um zu vergrößern. Als hochwertiger Druck hier bestellbar.
Im Internet leben seltsame Menschen. Jeden Tag. Auch wenn man nicht reinguckt. Wenn man genauer hinsieht, guckt man meist schnell wieder weg. Vor ein paar Tagen: bei facebook hat jemand ein bebildertes Burgerrezept gepostet. In der Bildunterschrift wurden Vegetarier und Veganer aufgefordert, die Augen zu schließen. Aber aus meiner Sicht sind es die Fleischesser, die ihre Augen verschließen. Zumindest lassen die seltsamen Argumente, mit denen sie ihren Fleischverzehr begründen bzw. verteidigen, kaum einen anderen Rückschluss zu. Ich veröffentliche hier eine Auswahl von Kommentaren. Interessant und erschütternd, wie Tiere hierbei versachlicht werden. Das ist in Anbetracht der Denkfaulheit, die bei vielen bezüglich ihres Ernährungsverhaltens sonst vorherrscht, fast schon wieder eine bemerkenswerte Hirnleistung.
ZITATE
Die Natur hat es immerhin so eingerichtet, dass wir uns von Tieren und tierischen Erzeugnissen ernähren! Ich finde es zwar auch nicht schön, wenn Tiere auf bestialische Weise umgebracht werden, oder nur zum Spaß, aber rum jammern bringt da auch nix, genauso wenig wie kein Fleisch zu essen!
Also ich sag immer: Die Veganer/Vegetarier essen meinem ESSEN das essen weg!! :)
Ich für meinen Teil esse gern Fleisch, und es ist auch nicht unbedingt gesund gar keines zu essen!!! Der Mensch steht halt nun mal ganz oben an der Nahrungskette, und überlegt mal was in der Wildnis passiert!!! Stellt euch nicht so an, wir sollen respektieren und akzeptieren das ihr kein Fleisch esst, dann solltet ihr auch akzeptieren das wir Fleisch essen!!! Peace Out...
Ach immer das ganze rumgeheule von den Pflanzenfressern hier -.- Schonmal was von Tierzucht gehört die Tiere wären nie geboren worden wenn wir diese nicht gezüchtet hätten zum schlachten!
jedem das seine
Das hasse ich am Meisten Vegatariern und (besonders ) bei Veganern! die sind uns Fleischfressern gegenüber absolut intollerant und unbelehrbar! Von uns hat sich noch keiner drüber aufgeregt das ihr millionen von Sojapflanzen das Leben nehmt, nur weil ihr nicht bereit seit der Evolution zu folgen und meint das ihr euch ohne tierische eiweiße und fette ernähren könnt - die im Übrigen seit millionen von Jahren das Überleben diverser Spezies gesichert haben - Der Mensch ist nicht als Pflanzenfresser konzipiert! Aber trotzdem verurteilen wir euch nicht dafür... Andersrum ist das leider nicht so...
...ich überlasse es jedem selbst ob er Fleisch isst oder nicht, Aber was absolut garnicht geht ist, wenn sie sich dann noch über die Leute beschwern die welches essen!
Geht sterben, Veganesen!
geh und ritz dich! komm mal klar mit deinem Leben. Tiere waren schon vor tausenden von jahren nahrung und werden es auch bleiben.
Ausserdem, es ist eine reine Erscheinung der Dekadenz, sich anzumassen, auf eine komplette Nahrungsgruppe zu verzichten. Erkläre doch mal einem Ghettobewohner in Kapstadt, dass er auch Nahrung verzichten soll, weil es cooler ist. Es ist in erster Linie eine Denk- in zweiter Linie eine Essstörung.
jedem das seine... der eine isst fleisch der andere nicht und gut is...
Mal an alle Veganer.. euch ist schon klar, dass es garnicht so viele Tiere gäbe, wenn der Mensch sie nicht essen würde? Tiere haben auch ein Leben verdient.. naja! Wir züchten sie ja dafür, würden wir das machen gäbe es fast keine Nutztiere! Wir lassen euch euch auch euren faden scheiss essen, also lasst uns essen, was wir züchten!
Das sich das menschliche Gehirn erst durch die Aufnahme tierischer Kost zu seiner bemerkenswerten Größe und Leistungsfähigkeit entwickelt hat, ist hinreichend belegt. Dass eine rein pflanzliche Ernährung über Generationen zu einer Rückentwicklung führen würde, ist nur logisch. Das Gehirn, das 2-3% der Körpermasse ausmacht, verbraucht 20% der Energie. So viele Pflanzen kann man auf Dauer gar nicht essen, um dieses Niveau zu gewährleisten.
jedem das seine
ich hab kein problem mit veganern oder vegetariern, solange die mich mit ihrem zeug in ruhe lassen. ich esse fleisch, ihr nicht. ich bin euch tolernat gegenüber ^^ die meisten hier wollen euch ja auch nicht davon überzeugen wieder fleisch zu essen... wie gesagt, ist ja eure sache...
fleischlose Lebensweise macht aggressiv, sieht man hier in der Diskussion, sieht man in Angriffen militanter Veggis auf Fleischerbetriebe und deren Personal und hat ja auch ein berüchtigtes Vorbild....den Föööhrrrerr!
Ein Mensch hat die Wahl sich zu entscheiden was er Isst, somit sollte man auch jedem seine Entscheidung lassen und andere dafür nicht verurteilen, egal für welche Lebensweise er/sie sich entschieden hat
Aber es lässt sich nicht abstreiten, dass die Viehzucht, wie wir sie betreiben, Umweltschädlich ist. Außerdem werden die Tiere oft inhuman gehalten und geschlachtet. DAS wären Punkte wo man ansetzen müsste - Viehzucht, Tierhaltung und Tiertötung - dann ist Fleisch essen auch unproblematisch.
Wie wäre es, wenn einfach jeder das isst, was ihm schmeckt?
denn nicht alle menschen bleiben gesund, wenn sie nur grünzeug futtern! kann auch sehr gefährlich sein in der schwangerschaft z.b.!
scheiss au die veganer xD die verpassen eh ihr leben :-D
Ich liebe Tiere über alles (nicht alle, aber die meisten). Trotzdem esse ich Fleisch und könnte/wollte ich nicht drauf verzichten. Manchmal denke ich auch, dass das falsch ist. Bis mir wieder einfällt Tiere werden nicht nur von Menschen gegessen, sondern Tiere fressen auch Tiere. Ich kann das ja auch nicht verhindern. Das ist nun einmal so.
Vegetarier sind eigendlich ziemlich grausam :o Ich meine Fleisch ist zu 100% tot wenn man es isst. Egal ob gar oder roh. Aber Gemüse und so kann nach dem Pflücken ja noch weiterwachsen wenn man es Einpflanzt oder einfach liegenlässt [Kartoffel, Zwiebel usw]
Bin ich ein Tier weil ich Fleisch esse? Es gibt nichts schöneres als militante Vegetarier! Nebenbei, im Sudan sind in der Zeit wo ich das schreibe 100 Menschen im Bürgerkrieg gefallen! Syrien ca. 10!
Das erotischste was ich mal gesehen hab, war ein hübsches junges Mädchen, welches neben mir in totaler Rage einen Broiler zerpflückt! Begleitet von den Worten: " OHH, Fleisch! Ohh Geil, FLEISCH!" !!!! Ps wenn es gegen die Natur wäre Fleisch zu essen, hätte Mutter natur schon was gegen uns Fleischfresser unternommen!
Biologisch gesehen bin ich ein Tier und Tiere essen nunmal Tiere ô.o zb. Schlangen -> Mäuse... Wir Menschen haben schon vor tausenden vor Jahren Fleisch gegessen ..
Hitler war auch Vegetarierer...
und 2tens sind Menschen von allen Merkmalen her Allesfresser, also ist es ganz natürlich dass wir Fleisch essen und die moralische Keule eh fehl am Platz.
Hm, wenn du nahrungsbeschaffung unbedingt als Mord bezeichnen willst empfinde ich das zwar als etwas absurd, aber wenn das deine Meinung ist bitte. Ich werde dem bößen bößen Löwen und seinem Mordkumpan dem Tiger sagen, sie sollen sich ihr Fleisch doch in zukunft holen, ohne jemanden zu töten. Mir ging es gar nicht darum, zu verhindern, dass Tiere getötet werden.... damit hab ich eigentlich kein Problem, das nennt man Kreislauf der Natur.... was mich stört, ist, wenn die Tiere in Massentierhaltungsfabriken, gequält und unter Drogen gesetzt werden, da bin ich sehr dagegen und bei nem kleinen Metzger kann man besser prüfen wo das Fleisch herkommt, die meisten ländlichen Metzger geben das an.
ich esse jeden tag fleisch und hab kein schlechtes gewissen dabei. ich mein die viecher werden ja geboren um geschlachtet und gegessen zu werden! es ist deren bestimmung!
jedem das seine, aber kein vegetarier oder veganer kann von sich behaupten noch nie fleisch gegessen zu haben, schon als kind nur gemüse wäre völlig gelogen.. ich hab nichts gegen vegetarier oder fleisch esser, es sind zucht tiere die gegessen werden, genauso wie irgend ein Bauer auch die pflanzen züchtet, die ja komischerweise auch als "Lebewesen" auf diesem planeten zählen, also ob man Tier oder Pflanze isst, es sind Lebewesen.. von daher ist es völlig schwachsinnig sich gegeneinander zu "bekriegen" Esst euer ding und fertig.. völliger quatsch das die tiere gequält werden, sie bekommen Essen und Trinken, haben genug freiheiten... es sind und bleiben nun mal zuchttiere... ich versteh nicht wie ein veganer sich das vorstellt, wollt ihr die tiere am Leben lassen und dann sollen sie frei herrumlaufen? stellt euch mal bitte vor es läuft eine Kuh über die Autobahn oder sonst wo lang.. wären wir da nicht dann die leidtragenden?? wo kämen wir dann denn hin, wir sind um 21 jahrhundert und nicht bei 1800 wo es keine maschienen und autos gibt..
Du willst also sagen, dass eine Praktik die mehr als die Hälfte aller auf der Erde lebenden Spezies betreibt, also das Verzehren von Fleisch, die auch unsere Vorfahren jahrtausende lang betrieben haben, moralisch falsch und dumm sei?Oo Na auf die Argumentation bin ich gespannt.
Ich glaube, dass jeder 100ste kein Fleisch mehr essen würde, wenn er bei einer Schlachtung dabei gewesen ist. Ich akzeptiere aber auch alle Veganer u. Vegetarier. Die selbe Akzeptanz wünsche ich mir aber auch umgekehrt.
Glaubst Du wirklich dass auch nur ein Viech länger lebt nur weil ich mir mittags statt einem Schnitzel ein Gänseblümchen zwischen die Kiemen geschoben habe?
...ist der Fuchs darauf angewiesen den hasen zu töten? Frag doch mal, ob er auch Vegetarier werden möchte! Es geht hier nicht darum, ob die Menschen darauf angewiesen sind, sondern darum, dass die Natur es nunmal so vorgegeben hat.
ich habe lediglich meine Meinung gesagt.... die darin besteht, dass ich Fleisch mag, dass ich Fleisch essen werde und aufgrund der Tatsache dass das Recht der Stärkeren nunmal in der Natur gilt, bei allen Tieren, und ja ich bin durchaus der Meinung, dass auch Menschen Tiere sind, und mitten in der Natur verwurzelt sind (alles andere wöllte ich als Arrogant bezeichnen), ich die Moral als nicht zuständig betrachte, da hier nichts moralisch falschens geschieht. Wenn das irgendjemand nicht passt, so ist das sein gutes Recht, ich betrachte es aber hier auch als mein gutes Recht das zu tun, was ich immer mit der Meinung anderer tue..... ja genau darauf pfeifen. Und ja ich kann reflektieren, denn meine Intelligenz, die vermutlich den anderen Tieren überlegen ist ( genau haben wir das ja noch nicht bewiesen) ist eben der Vorteil, den die natur dem Menschen anstatt Zähnen und Klauen gegeben hat.... ich halte es zumindest für ein wenig absurd, aus der Intelligenz zu schließen, dass Menschen keine Tiere sind.... ich wünsche hiermit allen eine gute nacht.
Ich bin Tierlieb und verachte es wen Tiere gequählt werden ! Aber der Mensch ist nun mal Teil der Natur und zu dem ein Allesfresser ! Der Schritt in unserer Evulotion vom primitiven Primaten zum höher entwickelten Homo Sapiens konnte nur vollzogen werden weil wir von Veganischer kost zu mischkost umgestiegen sind ! Weil das Gehirn Eiweiß braucht um wachsen zu können . Das Leben ist zudem kein zuckerschlecken und nur der stärkste überlebt !
Und zu den ganzen Diskussionen über Fleisch oder nicht Fleisch: lasst doch jedem seine eigenen Vorlieben, das kann doch jeder für sich selbst entscheiden.
ICH LIEBE FLEISCH, GEMÜSE BEKOMMEN MEINE KARNICKEL. Fertig. Aus! Da gibt's keine Diskussion PS: mein Fleisch kommt vom Jäger direkt frisch ausm deutschen Wald. Also keine Massentierhaltung, sondern erlesen und auf Bedarf erlegt.
Hallo liebe Veganer, ja das Leben kann hart sein. Fressen und gefressen werden. Leider reiten wir nicht alle mit einem Einhorn über eine Blumenwiese. Es soll jeder nach seiner Fasson selig werden. Ich bin der Meinung das wir zuviel Fleisch essen, ja. Die Qualität leidet darunter, der CO2 Ausstoß steigt durch die wachsende Anzahl der Tiere, der Regenwald muss darunter leiden für den Sojaanbau (Tierfutter) und und und. Aber ich esse gerne Fleisch. Es muss nicht viel sein, aber ich esse es. Es ist auch ok wenn es jemand nicht ist. Ich esse auch gerne, wenn ich in Asien bin, diese wunderbaren Enteneier mit einem nicht ausgebrütetem Entlein drin. Aber das ist meine Sache.
Seit März liegt "Nähekurs" in der 2. Auflage vor, was nichts anderes bedeutet, als dass sich der Band in den ersten Monaten sehr gut verkauft hat. Darüber freue ich mich, danke! Ich mag Gedichtbücherkäufer, die nicht das Buch kaufen, sondern die Gedichte.
Ansonsten fand ich sehr aufschlussreich, wer sich in den letzten Tagen wie über Günter Grass geäußert hat. Ich mag Grass ja nicht, halte ihn für einen Fatzke. Das Gedicht ist kein gutes. Aber ich fand erstaunlich, was da alles hineingelesen wurde. Vielleicht ist Grass vieles von dem, was man ihm vorwirft, das vermag ich nicht zu beurteilen, aber eins weiß ich: das Gedicht selber gibt das nicht her. Wie man darauf kommt, dass hier ein "SS-Mann" geschrieben habe, bleibt mir schleierhaft. Meine Vermutung: man nimmt das Gedicht zum Anlass, ihm vorzuwerfen, was man ihm ohnehin vorwerfen will. Am verrücktesten fand ich ein Statement eines anderen Fatzkes, Henryk M. Broder nämlich. Er erzählte in einem Interview mit N24, dass Grass zuletzt 1971 in Israel gewesen sei und dort mit Tomaten beworfen worden ist. Das sei dort nicht ganz unüblich ("Das ist halt Orient und da macht man sowas"). Broder kommt dann zu dem Schluss (ich zitiere wörtlich): "Das, was er jetzt zusammen fabuliert, ist die Rache für '71. Sie haben ihn damals, die Israelis haben ihn damals mit Tomaten beworfen und jetzt sollen iranische Raketen auf Israel fliegen. Das ist so das quid pro quo, das ihm so vorschwebt".
Sagen Sie mal, geht's noch?
Am Donnerstag findet das Lyrikprojekt im Politikteil der ZEIT seinen Abschluss in Form einer Doppelseite. Ich bin gespannt.
Und versuche, in diesem Jahr dann mehr Prosa zu schreiben.
"Ein Buch, das man zu Weihnachten auch an Menschen verschenken sollte, die üblicherweise keine Lyrik lesen, denn es eignet sich als Einstiegsdroge." (Rezension zu "Nähekurs" von Gerrit Wustmann auf cineastentreff.de)
Ja, so würde ich das gern sehen. Gedichte für Menschen, die Ben Folds mögen. Und Woody Allen. Und Gisbert Zu Knyphausen. Ganz normale Menschen eben. Lyrik ist nicht böse.
Bestellen kann man "Nähekurs" HIER.
Verschiedenes.
Mein Guttenberg-Gedicht, das ich in der Nacht vor seinem Rücktritt im März bei der ZEIT einreichte, wurde nun in der aktuellen Ausgabe (ZEIT Nr. 49/11) auf Seite 7 veröffentlicht.
Ich lese gerade "Eroberung des Nutzlosen", ein Buch mit Aufzeichnungen, die Werner Herzog vor und während der Dreharbeiten zu "Fitzcarraldo" gemacht hat. Ich bin sehr beeindruckt, von der gänzlich anderen Lebenswelt, von der Besessenheit Herzogs und von ihm selbst überhaupt. Das wäre ein Mensch, den ich echt gern mal treffen würde. Beim Lesen des Buches hab ich immer seine Stimme im Kopf (die der kennt, der mal einen seiner Dokumentarfilme gesehen hat).
Ich habe auch die Stimme des Regens im Kopf. In Hamburg spricht der gerade ohne Unterlass auf die nassen Schneeflocken ein, dass es noch zu warm ist.
Ansonsten: Wenn es dunkel wird:
Seit mehreren Wochen schon erfreue ich mich am „Märzwald“, diesem schönen Gewächs aus Poesie und Musik (und jetzt bitte nicht an „Lyrik und Jazz“ denken, das hier ist was anderes. Aber weiter im Text...). Ulrike Almut Sandig und Marlen Pelny haben mit “Märzwald“ etwas sehr Spezielles geschaffen. Klanggedichte, die nach kurzer Zeit zu Ohrwürmern werden. Das ganze Album ist auf eine angenehme Art altmodisch und gleichzeitig frisch und lebendig. Die Vortragsweise von Ulrike hat was von einem baldigen Lächeln. Obwohl es keine Alltagsstimme ist, mit der sie da spricht, ist da dennoch nichts Verstelltes, das kommt direkt an und alles ist so gemeint, wie es scheint. Das Gesagte wird durch Marlens feine musikalische Untermalung nach oben gehievt und bleibt da erst einmal auch.
Letzten Samstag hab ich die beiden dann live gesehen auf dem „Anderseits.Literaturfestival“ (das ich insgesamt seltsam fand, versteckt in einem von Dunkelheit umgebenen Haus, in das nur Eingeweihte fanden und dann dementsprechend eingeweiht an ihren eigenen Verlagsständen herumstanden). Aber weiter im Text... der Auftritt von Sandig/Pelny war toll, weil der Vortrag visualisierte, was ich oben schon beschrieben habe. Das war alles sehr sympathisch, zeitweise anrührend und insgesamt sehr uncool. Dennoch hatten die beiden Künstlerinnen auch einen gewissen Starappeal. So ist das, subjektiv betrachtet. Darum jetzt ein objektiver Ratschlag: Kauft die CD. Weihnachten kommt, unwiderruflich. Schenkt „Märzwald“ Menschen, die überhaupt nicht damit rechnen.
Die Lesung war aufregend. Es ging um Liebesgedichte. Und zwar sehr unmittelbar. Weil die Liebe auch direkt anwesend war und auch was zu sagen hatte. Dazu noch 40 Menschen mit Ohren. Ich hoffe, mein Herz war nicht zu laut. Danke.

Das Buch ist in der Druckerei und liegt dort als Dateileiche, die am dritten Tage auferstehen wird. Auf jeden Fall bis zum 16. November; dann nämlich stellen wir "Nähekurs" bei einer Lesung im Chavis Kulturcafé auf St. Pauli vor.
Schon jetzt kann man das Buch beim Verlag zum Subskriptionspreis von 8,50 Euro vorbestellen.
In ungefähr drei Wochen erscheint mein neuer Gedichtband, naja genauer gesagt: unser neuer Gedichtband.
„Nähekurs“ von Judith Sombray und mir.
24 Gedichte aneinander
gelehnt und schimmernd.
Das ist aufregend für mich, ganz allgemein (neues Buch) und auch im Besonderen. Ein gemeinsames Buch eines Dichterpaares, das gabs schon länger nicht mehr, oder?
„Nähekurs“ erscheint im Fixpoetry.Verlag, hat 49 Seiten und ist für 10 Euro zu haben und zu behalten.
Ich bin seit diesem Monat Mitglied im "writers' room" Hamburg. Ich habe mir also einen Arbeitsplatz gemietet und hoffe, dass ich künftig mehr schreibe. Romane und Roman-Trilogien. Und Romanreihen, die aus mehreren Roman-Trilogien bestehen.
Aber demnächst erscheint erst einmal noch ein schmales Lyrikbändchen. Ich hatte eine Co-Autorin. Und hab sie immer noch. Bald mehr dazu.
Vor drei Wochen beim Abendessen von DichterInnen und ZEIT-JournalistInnen wurde ein bisschen resümiert, wie denn das Projekt "Politik & Lyrik" für die einzelnen und insgesamt bisher gelaufen ist. Jan Roß, seines Zeichens Politik-Redakteur, sagte, dass er sich manchmal schlechtere Gedichte gewünscht hätte. Ich denke, er meinte damit Gedichte, die nicht so stil- und formbewusst sind, Gedichte, die vielleicht nicht ganz so unangreifbar stehen bleiben. Darum habe ich das Gedicht "Westerwelle sollte sich einen Vollbart wachsen lassen", das in der aktuellen Ausgabe der ZEIT (39/2011) auf Seite 7 steht, Jan Roß gewidmet.
"Als der Bus eine dunkle Landstraße entlangfuhr, drang ich in Frau Kiefer ein und war augenblicklich hingerissen von der Entdeckung, dass der Innenkörper von Frau Kiefer noch erheblich weicher und samtener war als ihr Außenkörper. Die Überraschung wirkte so stark, daß mir ein paar Tränen hochschossen. Endlich war es mir egal, ob Frau Kiefer schlief oder nicht. Ich stieß in diese uferlose Weichheit und blickte von oben auf den schräg hinter uns liegenden Hannemann. Er schlief fest, das Blut an seinem Kopfverband war eingetrocknet."
(Wilhelm Genazino, Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman)
Ein Gedicht, das ich geschrieben habe, nachdem kürzlich in Schleswig-Holstein Christian von Boetticher seinen Rücktritt als CDU-Landesvorsitzender und -Spitzenkandidat erklärte. Es war bekannt geworden, dass er im Vorjahr eine Beziehung zu einer 16jährigen unterhielt. In der ZEIT wurde das Gedicht nicht abgedruckt, darum verbrate ich es hier.
Austauschbar
Es war schlichtweg L.
wir nannten uns Helmut und Hannelore, als wir
in Düsseldorf im Hotel eincheckten, vor den Verwandten
nannten wir uns ernst und rosa
war die Zeit, so auch das Fleisch
und in Luxemburg waren wir beide noch nie
es gab also echte Gemeinsamkeiten, nur zu wenige pünktliche
Atemzüge, ich beendete die Beziehung so schnell
wie eine SPD-Mitgliedschaft, und die Moral von der Geschicht:
Sozialdemokraten und Minderjährige wählt man nicht
wegen verständlicher Vorbehalte der Menschen da draußen
kann einer, der sich der Verantwortung stellt
nicht Ministerpräsident werden, bei G.
war es die Doktorarbeit, bei mir sind es Doktorspiele
die Patienten gehen uns nun langsam aus
dem Weg und lieber zur Wahl
der passenden Schuhe für diesen Anlass über
doch betone ich noch einmal: es war schlichtweg L.
ich wünsche Ihnen noch ein schönes L.
und ziehe mich jetzt nach L. zurück
Mein "Profi-Teufelskerle" ist auf Seite 6 der aktuellen ZEIT zu lesen. DIE ZEIT hat eine Reichweite von 1,5 Millionen Lesern (laut Media-Analyse), das bedeutet wohl, dass mein Gedicht am vergangenen Tag das meistgelesenste Gedicht in Deutschland war. Spart Euch Eure Kommentare, davon bin ich eh nicht abzubringen. Fuck Amy, ich bin ein verdammter Dichter!
Okay, einen Haken hat die Sache: Im Feuilleton ist ein Gedicht von Judith Zander abgedruckt, ein sehr schönes Gedicht. Wird jetzt generell der Politikteil von mehr Menschen gelesen oder das Feuilleton? Darüber hinaus stellt sich die Frage: Liest nicht ein größerer Anteil der Feuilletonleser ein im Feuilleton abgedrucktes Gedicht, weil es dort eher erwartet und willkommen geheißen wird, während ein Gedicht im Politikteil von den politisch interessierten Lesern eher als Humbug und unnütz ignoriert wird. Naja, Judith Zander und ich waren am abgelaufenen Tag wohl die meistgelesensten Dichter Deutschlands. Ach Judith, ich bin doch auch nur ein Dichter.
laufen 100 Meter Amok unter 3 Minuten, einmal um die ganze Welt
ein Staffellauf durch alle Gesichtsbücher, oh Gott, wir sind fassungslos
ihr auch? Nur Amy Winehouse als Stolperstein
Fuck Amy, es sind 76 unschuldige Menschen gestorben, oh
meine Güte, deine Güte, was für ein Arschloch, Hans-Peter Uhl
(CSU) sagt: In Wahrheit wurde diese Tat im Internet geboren
Da nehmen wir doch gleich Erziehungsurlaub, bilden uns fort und weiter
im Text: Wir sind die deutsche Synchronstimme des norwegischen Volkes
immerhin sind wir nicht verfassungslos und wachsen sorglos auf
dem Boden der Tatsachen fest
gehen in die Kneipe, denn draußen findet das wahre Leben statt
Tod statt, das gilt auch für hier drinnen, ein Bier, wir nicken und schütteln Köpfe
und Hände, wissen mehr als andere: In was für Zeiten wir nur leben
aber nicht lieben, Herzschmerz ist eine App, die man als Wecker benutzt
in den finsteren Nächten, in denen Haustiere sterben
wacht man als Achtjähriger auf und Satan liegt unter dem Bett
schnurrt wie eine Erinnerung, so wird der Kopf zum Fall von ganz oben
wartet auf Knien und auf Gedeih und Verderb und auf den nächsten Knall
Der Blick aus dem Zimmerfenster morgens. Die Fliegen zogen schließlich Leine. Blieben die Fasane.
"Der Fasanenhahn verfügt über ein breites Lautrepertoire, das zu einem großen Teil aus unmelodisch rauen, krähenden oder metallisch lauten Rufen besteht. Häufigster Ruf ist der Revierruf, der zur Fortpflanzungszeit, vereinzelt aber auch im Herbst zu hören ist – ein zweisilbiges, lautes und unmelodisches göö-gock oder kotock" (Wikipedia).
Sonst alles weit weg.
Spiekeroog 2011
Mein zweites "politisches" Gedicht für DIE ZEIT ist nun auch online.
Ansonsten: Böser Pickel auf der Nase, Heinz Rudolf Kunze-Lieder, um die Gedanken an eine Ex-Freundin zu verschachteln, hab soviel gegessen, dass ich jetzt Nichtessen plane mit einem Taschenrechner.
Montag: Mir kamen die Bilder von jubelnden Amerikanern, die Bin Ladens Exekution zelebrierten, seltsam vor. Mehr sag ich ja gar nicht.
"Today's achievement is a testament to the greatness of our country and the determination of the American people" (Barack Obama). Er sagte noch mehr.
Was sagt der Tag danach: Die Bilder sprechen nicht alle für sich, die vom toten Bin Laden werden nicht gezeigt (nur ein gefälschtes Foto ist kurz im Umlauf). Darum habe ich selber ein paar Bilder gemacht. Die sind heute als Gedicht mit dem Titel "Teilnehmerzahl nicht bekannt" im Politikteil der ZEIT erschienen. Generell schreibe ich ja nicht sehr schnell, ein Gedicht wird im Normalfall später fertig als ein selbstgehäkelter Topflappen. Sehr mag ich ja gar nicht.
"Stromausfall im Bundestag" kann man hier lesen.
Und wer die Augen vor dem Grauen verschließen will, kann hier die Vertonung eines Gedichtes hören, die ich mal für die Website der Literaturzeitschrift "randnummer" gemacht habe.
Heute im Politikteil der ZEIT: mein Gedicht "Stromausfall im Bundestag".
Ich bin erfreut und aufgeregt. Da sind plötzlich so viele potentielle Leser, während ich mit dem Fahrrad in die Arbeit fahre. Während ich an einer roten Ampel stehe. Während ich an einen kommenden Urlaub denke. Während ich mit einer Rentnerin Vogelfutter kaufe. Während ich in einer Behörde sitze, um mit jemandem Sozialhilfeleistungen zu beantragen. Während ich im Toilettenspiegel mein gerötetes Gesicht ansehe. Während ich Gemüse kaufe. Und so weiter.
Das Gedicht ist ein Merkel-Gedicht und sie ist immer noch Bundeskanzlerin, während ich das Gemüse esse.
Ein Album aus 2010, das ich auch sehr mag: "Holon : Hiberno" von The Hirsch Effekt. Auf zwei Songs wurden Textfragmente von mir verwendet. Darüber freue ich mich immer noch sehr und denke mit glühendem Herzen an das Konzert vor einem Jahr zurück und an die schönen einleitenden Worte von Nils vor "Epistel/Calmo". Der andere Song mit worten Worten von mir ist folgender:
Die durchgehende Kleinschreibung führte nicht mehr weiter. Darum schreib ich jetzt ein Wort wie Wort nicht mehr wort, sondern Wort. Auch in Gedichten, die Wörter. Und ich esse keine Tiere mehr seit Jahresbeginn. Das war kein guter Vorsatz, das war eine Notwendigkeit. Letzten Anstoß gab das Buch von Karen Duve, das ich nur wärmstens empfehlen kann. Es ist spannend zu lesen und lässt einen nicht kalt. Im Nachhinein ist es mir fast ein bisschen unangenehm, dass ich nicht früher und selbständig über meine Essgewohnheiten nachgedacht habe (ich hab schon mal ca. ein Jahr lang kein Fleisch gegessen, aber die Gründe waren eher oberflächlich). Nach einer Woche Vegetarierdasein entschied ich mich dann, fortan vegan zu leben. Und was soll ich sagen? Käse ist manchmal wie Sex, sehr verlockend. Aber man kann glücklicherweise auch Sex haben, ohne dass Tiere leiden müssen. Es geht hervorragend und das Essen danach ist köstlich. Ich kann es nur lobpreisen, das vegane Leben. Vegetarismus hingegen würde ich fast verlangen wollen (wenn ich vor sechs Wochen etwas darüber geschrieben hätte, dann wäre das wesentlich missionarischer geworden, so verlange ich das einfach nur nüchtern und sachlich von euch denkenden Menschen). Was anderes: Das beste Album des letzten Jahres war für mich "Hurra! Hurra! So nicht." von Gisbert zu Knyphausen ("Die Welt ist gräßlich und wunderschön", "Gegen Fernweh hilft nur das Heimweh, das rufe ich und renne los" etc.). Wollte ich mal loswerden, ohne gleich eine ganze Liste mit Alben hinzuschreiben, dieses eine reicht. Ansonsten Mendelssohn. Und Beethoven, meine Güte. Und zwar unter dem Dirigat von Otto Klemperer. 1990, Heavy Metal war meine Frisur und meine Musik, kam mein Neffe auf die Welt, mein Vater kam aus dem Krankenhaus und brachte mir die erste Ausgabe von "Große Komponisten und ihre Werke" mit, das war eine Heftreihe samt CD mit Meilensteinen der klassischen Musik. Die genannte Ausgabe widmete sich der Fünften Sinfonie von Ludwig van Beethoven, gespielt von den Wiener Symphonikern unter Otto Klemperer. Ich verliebte mich. In den letzten Jahren hörte ich überwiegend Bach und Dvořák, mein Neffe wurde erwachsen und trinkt jetzt gerne Bier. Dann war ich vor ein paar Wochen in der Laeiszhalle und u.a. wurde da Beethovens drittes Klavierkonzert gegeben, das mich sehr packte und ich kaufte mir mehrere Versionen der Klavierkonzerte und schließlich auch einige Gesamtausgaben der Sinfonien. Schlussendlich suchte mich der alte Klemperersound heim und ich fühlte mich zuhause (nur die Haare wachsen nicht mehr so). Das ist ja eine Wissenschaft für sich, welche Dirigenten für bestimmte Stücke die besten sind, ich lese das sehr gern in Klassikforen wie diesem, auch wenn das alles nicht wirklich in Allgemeingültigkeit übersetzt werden kann. Ich übersetze meine Person jetzt in einen schönen von Freitag-auf-Samstag-Schlaf und komponiere darin eine Melodie für den Weltfrieden.
"Mit ihm kann man Pferde stehlen. Seine Pferde."
(Matthias Geis und Bernd Ulrich, DIE ZEIT, 24.02.2011)
Sie wissen doch, die Zeit heilt alle Kunden
die unzufrieden sind mit Wunderheilern, stapeln Sie
sämtliche Lorbeerkränze auf Ihr Kopfzerbrechen
so hoch wie alle Luftsprünge aller Lottogewinner aller Zeiten zusammen
nehmen Sie deren Schmerztabletten ein
und wenn Sie wieder landen, ziehen Sie das Clark Kent-Kostüm aus
lassen Sie CDs mit Ihrem Zähneknirschen brennen
wie einen Scheiterhaufen und kinnladen Sie sich den Mund herunter
bis zum Adelsgeschlecht, um sich fortzupflanzen
im festen Glauben an die eigene Stärke, um Himmels willen
nehmen Sie nicht ernst, was andere sagen, die zitieren doch nur
andere und somit sich selbst
Pferdedieb ist kein akademischer Grad, ein Sündenbock aber
raubt Ihnen den gerechten Schlaf, stahl
sich unverrichteter Dinge davon
ein paar Stunden und den einen großen Traum: Ich
werde sein, was noch keiner gewesen ist, nicht Doktor
und auch nicht Patient
ich werde regieren: werde mich in Zukunft beherrschen können
ich mag ja korrespondenzen. manchmal zumindest. in bestimmten fällen. ein altes gedicht von mir (aus "biete bluterguss & suche das weite") erschien anfang januar als poetryletter no. 165 auf fixpoetry. die illustration von petrus akkordeon erweitert mein gedicht bilderbuchmäßig. und wer es noch breiter mag, der kann sich über fixpoetry.com drucke der dort erschienenen poetrylettereien kaufen und an die wand nageln.
an elliott smith mochte ich, dass er nicht schön war. seine lieder waren es dafür umso mehr. als es nur noch einen musiker gab, auf dessen neues album ich wirklich wartete, erstach er sich. heute vor sieben jahren. da musste ich die augen schließen. sogar im dunkeln. weil die schönheit keine rolle mehr spielte, sondern krieg. all die schönen leute mit ihren schönen songs und ihren schönen hörern. sie standen mir allesamt gegenüber. bereit zu töten. als ich dann aber die augen schloss, blieb nur einer übrig. keiner sang so, keiner klang so. keiner wirkte so. auf mich. und ich blieb ein album lang regungslos auf dem kopfkissen liegen, während mein zurückgebliebener körper im beinhaus ein alibi tanzte. keiner sonst war da. hallo? ist da jemand? ballad of big nothing.
geiler song, sagte helmut. wer isn das? das war der tag, an dem ich die vielen schweigeminuten, die ich in meinem leben bisher ausgelassen hatte, nachgeholt habe. ich glaube nicht, dass elliott smith mich gekannt hat. aber er hat dennoch genug für mich getan. er hat nicht aufgehört.
ganz viele: scheinwerfer haben nur noch münzen übrig
sie zahlen von der brücke aus
das geklimper
die blechtrommeln spielen
die gegenklopfenprelude
fahrer fluchen, drehen das radio auf bis es regnet
bevor sie das abblendgesicht des gegenverkehrs
verschlucken, das sich in lichtgeschwindigkeit
in magenbefindlichkeit verwandelt, der regen kam
mir heute, am 6.10.2010
vor wie der größte sammelbegriff für all die aussichten
oder wie ganz viele größte sammelbegriffe für welt
morgen muss ich arbeiten, für den rest des lebens
auch, weil die kollegin, die mir die uhr auf die hand malt
und die kollegin, die mir aus der hand lesen kann, krank
sind: sie alle, die münzautomaten für streicheleinheiten
ganz viele von ihnen spucken das geld wieder aus
liebe autoren und autorennen,
erfreut erschaffe ich hiermit einen literaturwettbewerb.
also: gesucht werden kurzgeschichten, die ohne den buchstaben 'e' auskommen, aber trotzdem geschlechtsverkehr (sex) extrem erreeegend beschreiben.
die eingereichten texte müssen zwischen 390 und 397 wörtern lang sein.
die geschichte muss mit dem wort "also" beginnen und mit dem wort "spatz" enden.
der text muss in 23facher kopie auf dem originalbriefpapier einer bayerischen brauerei eingereicht werden.
zudem ist der einsendung eine cd beizulegen, auf der die mutter des verfassers/der verfasserin den text vorliest, ohne zu husten und ohne zu blinzeln.
achtung: teilnahmeberechtigt sind alle autoren, die nicht in darmstadt leben.
nichtmännliche autoren müssen allerdings schon in darmstadt leben.
holla: dotiert ist der preis mit dem geld, das ich aus dem verkauf meiner heavy metal-schallplattensammlung erziele.
einsendeschluss: an einem sonnigen tag im august.
abschließend: ich wünsche allen teilnehmern viel erfolg, bevorzugen werde ich niemanden, ich schwöre es.
ihr herbert h.
früher mochte ich lothar matthäus aus herzogenaurach, mochte ich nicht helga beimer aus der lindenstraße. jetzt lese ich manchmal überschriften über diesen ehemaligen fußballer und dauernden ex-ehemann, habe ich nur einen ex-fernseher. manchmal schüttle ich den kopf, aber gucke wieder lindenstraße, einmal in der woche per stream. während also er, der mit dem formidablen ex-spannschuß, einen tor macht, hat sie, die beschürzte immer nur warnende nervenputzfrau aus den 80ern, sich entwickelt: sie steht jetzt im abseits der familienbande, steht da für sich und wartet auf die anderen, auf ne art gelassen, im stich, stärker, im profil.
gestern bin ich geweckt worden von dem heftigen geschrei einer frau (mord, totschlag), das im hinterhof widerhallte wie das schreien von zwei frauen, die gleichzeitig ermordet und totgeschlagen werden. dann kam das grunzen und stöhnen eines mannes dazu und sie kamen. tatsächlich. in einklang. im chor. schaukelten sich laut und heftig zum orgasmus. danach übte jemand anderes (hoffe ich): tonleitern.
ich bin in der neuen belletristik (nr. 10) mit einem gedicht vertreten, das von judith sombray illustriert wurde. und in der aktuellen ausgabe der bella triste (nr. 27) bin ich auch drinne mit einem frage-antwort-spiel ohne fragen, so sage ich dann zum beispiel: "obwohl ich ein notizbuch habe, habe ich das selten griffbereit, dann schreib ich doch wieder (wie seit jahren) alles auf irgendwelche zettel und die liegen nun lose in taschen, bett- und brotkästen oder unter katzen herum."
"und während sich auf dem bildschirm limousinentüren öffnen, champagner in einen schuh gegossen wird und kostbare dessous in zeitlupe auf den boden fallen, legt sie sich bäuchlings über die sofalehne, damit er sie genau so pfählt, wie es der muskulöse schwarze in "triefende tiere" mit der blonden gemacht hat, heftiger sogar - was sie nicht daran hindert, später mit ihm über die frauenfeindlichkeit solcher produktionen diskutieren zu wollen."
(ralf rothmann, feuer brennt nicht)
zwei monate streichholzbriefe geschrieben
meinen absender in brailleschrift, weil ich
dich nicht mehr sehen kann
weil ich dich dachte als eine
kommende
da ich die ruhe weg hab
dich zu bestaunen wie eine blutstillende
maßnahme im
freien fall auf
eine herde von scharfen
analytikern, die wissen, wie man mich los
wird, nicht durch sprechen, nicht durchs
zuhören, einfach
durch zählen: ja
nein, ja, nein
und dies lehren in den kleineren städten, die sie leeren
können mit den halben, endlosen sätzen über mich, da
ich ja auch nur
weil ich ja doch nur
auf der anderen seite
deiner begehrlichkeit aufgetaucht
bin und die flamme mit der zunge
gelöscht habe
wir saßen auf einer bank. weil gestern einfach mal sommer war.
hinter den rhododendren saß eine gruppe mit fernseher.
weil im radio ja dauernd nur über blinde gesprochen wird. als wären die alle unter einsfünfundfünfzig und man könnte leicht über sie sprechen.
da wird immer viel behauptet im radio und keiner sieht es ein.
es war länderspiel, germany's next top model, irgendwann sternenhimmel. und viel werbung. die immer ein bisschen lauter ist.
bis der alkohol lauterer wettbewerb wurde. die stimmen sich verzerrten und streckten.
für uns radio. da hinter den rhododendren. wir hörten nur die münder.
ich hab mit dr. schneider gewettet. leberchirurg. er sagte, dass man waffen-ss nicht mit scharfem s schreibt.
ich sagte, nee, das ist ja nicht so ein wort wie joseph beuys. wir haben gewettet. er hat gewonnen.
sagt er zumindest. jetzt schulde ich ihm ein eis. der ist aber schon nett.
wer, der eis?
ja, vielleicht, aber: muss es nicht die eis heißen? wie immer, wenn es mehrzahl ist. die mehrzahlen. es ist ja die mehrzahl von ei.
ostern ist also eiszeit.
jetzt tauten wir auf, wir waren verliebt, es war gestern auf jeden fall sommer.

vorletzte woche hat mir mein freund konrad ein altes diktiergerät geschickt. hurra, hauruck, jetzt kann ich im dunkeln dichten. auf dem bett liegen und mit dem daumen per schieber am mikrofon alles steuern: aufnehmen, zurückspulen, anhören, lächeln. weil das ist wirklich eine freude. im dunkeln dichten bedeutet ungehemmter sein. ungehemmter sein bedeutet mir was.
hier also das erste dunkle gedicht, das nun das tageslicht erblickt:
name der redaktion bekannt
immer wenn ich dich zum ersten mal sehe
trage ich meine unschuldsmiene auf halbem
wege zu grabe, du kommst näher
ran, für dich möchte ich fabrikant
sein von regenschirmen, von weiten
rasenflächen
von fliegenschwärmen
du bringst mich dazu, dass ich
mein lächeln komplett auslache
und danach liegt ein zettel drin
auf dem steht, wo es geblieben ist
ich möchte schluckauf zeichnen
können und diesen auf die erste seite
kleben, ich will fortan dein absender
sein, ich will diese geschichte
ausschreiben und vom fliegen
schwärmen
in diesem geräumigen zeitkorridor
standen still in der luft: fliegen wie
uhren, wie spät es ist?
es ist: wenn der schatten unter den füßen
unter größe 39 schrumpft
heißen alle frauen wie du
sonntag
27. juni
19 uhr
hamburg
magellan-terrassen
lesebühne "hamburger ziegel"
gerhard henschel
katrin seddig
rainer moritz
ich
sowas wie fußballtexte ("katastrophen mit kick")
eintritt frei
habe noch nichts geschrieben
und momentan keine zeit
komme vielleicht auch
da habe ich doch behauptet, ich würde hier keine bilder mehr von mir veröffentlichen. dem widerspreche ich jetzt vehement öffentlich, öffentlich vehement.
weiß der teufel, was mich da geritten hat, wem ich da was recht machen wollte. alles, was ich hier mache, ist selbstdarstellung, warum sollte ich also auf bilder verzichten? außerdem möchte ich mich veräußern, momentan. vielleicht ist in drei wochen wieder alles anders. glaube ich zwar nicht, und wenn doch, dann halte ich mich mit absoluten aussagen zurück. oder auch nicht, ist ja mein blog (und nicht mein leben).
also, der wankelmütige herr hindringer ist zurück und liegt und steht und tanzt und guckt aus bildern raus.
hamburg, 2010
fotografiert von anja finger

hamburg, 2009
was auch schön ist: ein endlich neues buch von katharina soll in absehbarer zeit erscheinen. munkelt man.
gestern wurde eines meiner gedichte auf wdr 5 im literaturmagazin "bücher" vorgestellt. ich hab das erst hinterher durch einen freundlichen gästebucheintrag auf meiner website erfahren. aber zum glück gibt es ja podcasts. hier also der kurze ausschnitt aus der sendung. das gedicht wird übrigens nicht ganz richtig gelesen, aber vielleicht sind diese enjambements manchmal einfach zu waghalsig. ich hab mich auf jeden fall gefreut. so wie ich mich immer freue, wenn jemand mich liest.
oder hört: vom suchen des glücks