13.02.15

Tagelang

Ich wachte auf im schlechteren der möglichen Tage
es war ein Dienstag, Käfermasse in der Form
eines Kopfes, eingelegtes Brummen, noch Nacht darin
eine Nase, die bis in den Keller tropfte
der Wind im wunden Hals wehte die erste Krähe
in die Morgenrunde, ich sah den Umriss meines Körpers
im Sprühnebel und traf meine Frau, sie sagte:
du solltest weg bleiben
vom heutigen Blaustich, da ragen Fahnen in den Himmel
ein hoher Tag wird das, aber deine Luft ist das nicht
die ist in diesem Luftballon, der an dem Schatten liegt
bleib zuhause, bist doch ganz sandig und hell
auf der Landzunge des Lebens seekrank
das Schiff schnell, der Hai sterblich
das Gespenst laut, die Bibelschwüre mehrfach
der Ernstfall ein erster, das Lungern auf Lunge

Hustensaft schützt dich vor Messer, Gabel, Schere, Licht
aber du bist jetzt 40, sagte sie, und du bist eben kein anderer
der draußen Dinge erledigt für dich, darum bleib doch
in der jetzigen Hirnrissigkeit einfach undenkbar
und du wirst sehen: tagelang wird es wieder besser werden

14.01.15

Die Dummheit vor der Menschheit

Religion schützt die Menschen nicht
vor Dummheit, auch zwei Religionen schützen die Menschen nicht
vor Dummheit, drei Religionen schützen nicht einen einzigen Menschen
vor der Dummheit, auch wenn sie ihn umzingeln können
vier Religionen schützen nicht vor
fünf Religionen, fünf Religionen machen müde
sechs Religionen machen
lebensmüde, sieben Religionen machen Lebensmüde
zu Scharfschützen, Scharfschützen machen aus blutigem Ernst
eine Religion, die keine weitere neben sich duldet, acht Religionen
schützen die neunte Religion vor bösen Überraschungen, neun
Religionen sagen: Mensch, wir schützen dich
vor Dummheit, das kannst du ruhig glauben
gerne auch ganz laut, sprich hier hinein, bevor es blitzt
zehn Religionen hüten ihre Machtgeilheit wie eine Impotenz
elf Religionen schützen die Menschen nicht
vor den Menschen und zwölf Religionen schützen dann auch nicht mehr
die Dummheit vor der Menschheit

24.09.14

Er hieß Tobias

sie hatte noch keinen Namen, sie war die Unordnung, haushoch stapelbar
die beiden kamen selten aus der Tür, die Bäume blieben vor dem Fenster

er spielte sich die eigenen Hilfeschreie unter dem Kopfhörer vor

jedes Mal wenn er lachte, schaltete sie ein weiteres Licht aus
so kam schließlich die Nacht, dorthin hatte er sich schon seit Stunden gedacht

er drehte seinen Körper aus der Fassung

es gelang ihm nicht, in einen fremden Traum zu gelangen, er blieb
der Hausmeister mit Regentropfenbart

mit einem Anrufbeantworter, der nicht sprach

sie stieg in die obere Etage und brachte das Gebäude zum Wanken
sie berührte fast die Vögel, die von den Wolken an Land gebracht wurden

und dann das Morgengrauen: am Himmel eine bleibende Erinnerung

sie fragte nicht, sie kam selbst aus der Vergangenheit
und für sie blieb auch er ohne Namen

er war einfach schwer zu erkennen unter all den Umständen

20.09.14

Neue Literaturzeitschrift für kurze Prosa

Günther Emig und Peter Engel haben eine neue Literaturzeitschrift gegründet: Hammer + Veilchen - Flugschriften für neue Kurzprosa.
Die Zeitschrift soll alle drei Monate erscheinen.
Die erste Ausgabe ist gerade herausgekommen (ich bin auch darin vertreten, dazu u.a. Mirko Bonné, Elke Engelhardt und Gunter Gerlach).
Auf der Website kann man sich die kostenlos als PDF runterladen.
Gegen Rückporto kann man sie auch in gedruckter Form erhalten.
Am Schicksten ist meiner Meinung nach die Kindle-Version für 19 Cent.
Amazon-Boykottierer können hier das eBook im epub-Format bekommen.

Kurz- und Sehr-kurz-Prosa ist etwas sehr Anziehendes. Kleiden Sie sich neu ein, es ist Herbst!

21.08.14

Laserbehandlung vor Ort

Achja, am kommenden Sonntag (24.08., 18.00 Uhr) lese ich kurz und knackig auf der "Lesebühne Hamburger Ziegel", die wohl wegen des herbstlichen Hamburgs von den Magellan-Terrassen in die Kühne University Logistics gleich nebenan verlegt wird (Großer Grasbrook 17). Ich lese nicht meinen pornografischen Text, der auszugsweise im bald erscheinenden Ziegel zu finden sein wird. Vielleicht liest Harald Martenstein ja was Schweinisches. Der ist nämlich Special Guest am Sonntag. Außerdem lesen Friederike Gräff und Karen Köhler, deren neues Buch dann direkt, eine Minute nach der Lesung, bei Hanser erscheint.

27.01.14

Einmal im Jahr lese ich irgendwo

Am 19. Februar bestreite ich die 21. Ausgabe von Peter Engels Lesereihe "Lyrik im Café".
Das Ganze findet wie immer statt in Chavis Kulturcafé in der Detlev-Bremer-Str. 41 auf St. Pauli.
Beginn 19.00 Uhr, kostet nichts, Herr Engel moderiert, der Lärm draußen macht trotzdem weiter.

27.09.13

"Die Eule auf dem Beifahrersitz anschnallen und mit ihr verschwinden"

Gestern sah ich Benjamin Maack in einem lustigen kleinen Auto sitzen. Das stand
vor dem Haus, in dem ich wohne.
Ich wollte gerne vor der Scheibe stehen bleiben und Zeichen geben. Hallo
Benjamin, kannst du dich an mich erinnern. Aber er telefonierte.
Ich weiß jetzt nur, dass sein Bart länger geworden ist.

Und ich weiß, dass nicht alle sein letztes Buch gelesen haben, sonst wäre das Auto größer gewesen. Und das Telefon schnurlos.

 
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