
Hamburg, 2011
Der Blick aus dem Zimmerfenster morgens. Die Fliegen zogen schließlich Leine. Blieben die Fasane.
"Der Fasanenhahn verfügt über ein breites Lautrepertoire, das zu einem großen Teil aus unmelodisch rauen, krähenden oder metallisch lauten Rufen besteht. Häufigster Ruf ist der Revierruf, der zur Fortpflanzungszeit, vereinzelt aber auch im Herbst zu hören ist – ein zweisilbiges, lautes und unmelodisches göö-gock oder kotock" (Wikipedia).
Sonst alles weit weg.
Spiekeroog 2011
Mein zweites "politisches" Gedicht für DIE ZEIT ist nun auch online.
Ansonsten: Böser Pickel auf der Nase, Heinz Rudolf Kunze-Lieder, um die Gedanken an eine Ex-Freundin zu verschachteln, hab soviel gegessen, dass ich jetzt Nichtessen plane mit einem Taschenrechner.
Montag: Mir kamen die Bilder von jubelnden Amerikanern, die Bin Ladens Exekution zelebrierten, seltsam vor. Mehr sag ich ja gar nicht.
"Today's achievement is a testament to the greatness of our country and the determination of the American people" (Barack Obama). Er sagte noch mehr.
Was sagt der Tag danach: Die Bilder sprechen nicht alle für sich, die vom toten Bin Laden werden nicht gezeigt (nur ein gefälschtes Foto ist kurz im Umlauf). Darum habe ich selber ein paar Bilder gemacht. Die sind heute als Gedicht mit dem Titel "Teilnehmerzahl nicht bekannt" im Politikteil der ZEIT erschienen. Generell schreibe ich ja nicht sehr schnell, ein Gedicht wird im Normalfall später fertig als ein selbstgehäkelter Topflappen. Sehr mag ich ja gar nicht.
"Stromausfall im Bundestag" kann man hier lesen.
Und wer die Augen vor dem Grauen verschließen will, kann hier die Vertonung eines Gedichtes hören, die ich mal für die Website der Literaturzeitschrift "randnummer" gemacht habe.
Heute im Politikteil der ZEIT: mein Gedicht "Stromausfall im Bundestag".
Ich bin erfreut und aufgeregt. Da sind plötzlich so viele potentielle Leser, während ich mit dem Fahrrad in die Arbeit fahre. Während ich an einer roten Ampel stehe. Während ich an einen kommenden Urlaub denke. Während ich mit einer Rentnerin Vogelfutter kaufe. Während ich in einer Behörde sitze, um mit jemandem Sozialhilfeleistungen zu beantragen. Während ich im Toilettenspiegel mein gerötetes Gesicht ansehe. Während ich Gemüse kaufe. Und so weiter.
Das Gedicht ist ein Merkel-Gedicht und sie ist immer noch Bundeskanzlerin, während ich das Gemüse esse.
Ein Album aus 2010, das ich auch sehr mag: "Holon : Hiberno" von The Hirsch Effekt. Auf zwei Songs wurden Textfragmente von mir verwendet. Darüber freue ich mich immer noch sehr und denke mit glühendem Herzen an das Konzert vor einem Jahr zurück und an die schönen einleitenden Worte von Nils vor "Epistel/Calmo". Der andere Song mit worten Worten von mir ist folgender:
Die durchgehende Kleinschreibung führte nicht mehr weiter. Darum schreib ich jetzt ein Wort wie Wort nicht mehr wort, sondern Wort. Auch in Gedichten, die Wörter. Und ich esse keine Tiere mehr seit Jahresbeginn. Das war kein guter Vorsatz, das war eine Notwendigkeit. Letzten Anstoß gab das Buch von Karen Duve, das ich nur wärmstens empfehlen kann. Es ist spannend zu lesen und lässt einen nicht kalt. Im Nachhinein ist es mir fast ein bisschen unangenehm, dass ich nicht früher und selbständig über meine Essgewohnheiten nachgedacht habe (ich hab schon mal ca. ein Jahr lang kein Fleisch gegessen, aber die Gründe waren eher oberflächlich). Nach einer Woche Vegetarierdasein entschied ich mich dann, fortan vegan zu leben. Und was soll ich sagen? Käse ist manchmal wie Sex, sehr verlockend. Aber man kann glücklicherweise auch Sex haben, ohne dass Tiere leiden müssen. Es geht hervorragend und das Essen danach ist köstlich. Ich kann es nur lobpreisen, das vegane Leben. Vegetarismus hingegen würde ich fast verlangen wollen (wenn ich vor sechs Wochen etwas darüber geschrieben hätte, dann wäre das wesentlich missionarischer geworden, so verlange ich das einfach nur nüchtern und sachlich von euch denkenden Menschen). Was anderes: Das beste Album des letzten Jahres war für mich "Hurra! Hurra! So nicht." von Gisbert zu Knyphausen ("Die Welt ist gräßlich und wunderschön", "Gegen Fernweh hilft nur das Heimweh, das rufe ich und renne los" etc.). Wollte ich mal loswerden, ohne gleich eine ganze Liste mit Alben hinzuschreiben, dieses eine reicht. Ansonsten Mendelssohn. Und Beethoven, meine Güte. Und zwar unter dem Dirigat von Otto Klemperer. 1990, Heavy Metal war meine Frisur und meine Musik, kam mein Neffe auf die Welt, mein Vater kam aus dem Krankenhaus und brachte mir die erste Ausgabe von "Große Komponisten und ihre Werke" mit, das war eine Heftreihe samt CD mit Meilensteinen der klassischen Musik. Die genannte Ausgabe widmete sich der Fünften Sinfonie von Ludwig van Beethoven, gespielt von den Wiener Symphonikern unter Otto Klemperer. Ich verliebte mich. In den letzten Jahren hörte ich überwiegend Bach und Dvořák, mein Neffe wurde erwachsen und trinkt jetzt gerne Bier. Dann war ich vor ein paar Wochen in der Laeiszhalle und u.a. wurde da Beethovens drittes Klavierkonzert gegeben, das mich sehr packte und ich kaufte mir mehrere Versionen der Klavierkonzerte und schließlich auch einige Gesamtausgaben der Sinfonien. Schlussendlich suchte mich der alte Klemperersound heim und ich fühlte mich zuhause (nur die Haare wachsen nicht mehr so). Das ist ja eine Wissenschaft für sich, welche Dirigenten für bestimmte Stücke die besten sind, ich lese das sehr gern in Klassikforen wie diesem, auch wenn das alles nicht wirklich in Allgemeingültigkeit übersetzt werden kann. Ich übersetze meine Person jetzt in einen schönen von Freitag-auf-Samstag-Schlaf und komponiere darin eine Melodie für den Weltfrieden.
"Mit ihm kann man Pferde stehlen. Seine Pferde."
(Matthias Geis und Bernd Ulrich, DIE ZEIT, 24.02.2011)
Sie wissen doch, die Zeit heilt alle Kunden
die unzufrieden sind mit Wunderheilern, stapeln Sie
sämtliche Lorbeerkränze auf Ihr Kopfzerbrechen
so hoch wie alle Luftsprünge aller Lottogewinner aller Zeiten zusammen
nehmen Sie deren Schmerztabletten ein
und wenn Sie wieder landen, ziehen Sie das Clark Kent-Kostüm aus
lassen Sie CDs mit Ihrem Zähneknirschen brennen
wie einen Scheiterhaufen und kinnladen Sie sich den Mund herunter
bis zum Adelsgeschlecht, um sich fortzupflanzen
im festen Glauben an die eigene Stärke, um Himmels willen
nehmen Sie nicht ernst, was andere sagen, die zitieren doch nur
andere und somit sich selbst
Pferdedieb ist kein akademischer Grad, ein Sündenbock aber
raubt Ihnen den gerechten Schlaf, stahl
sich unverrichteter Dinge davon
ein paar Stunden und den einen großen Traum: Ich
werde sein, was noch keiner gewesen ist, nicht Doktor
und auch nicht Patient
ich werde regieren: werde mich in Zukunft beherrschen können
ich mag ja korrespondenzen. manchmal zumindest. in bestimmten fällen. ein altes gedicht von mir (aus "biete bluterguss & suche das weite") erschien anfang januar als poetryletter no. 165 auf fixpoetry. die illustration von petrus akkordeon erweitert mein gedicht bilderbuchmäßig. und wer es noch breiter mag, der kann sich über fixpoetry.com drucke der dort erschienenen poetrylettereien kaufen und an die wand nageln.
an elliott smith mochte ich, dass er nicht schön war. seine lieder waren es dafür umso mehr. als es nur noch einen musiker gab, auf dessen neues album ich wirklich wartete, erstach er sich. heute vor sieben jahren. da musste ich die augen schließen. sogar im dunkeln. weil die schönheit keine rolle mehr spielte, sondern krieg. all die schönen leute mit ihren schönen songs und ihren schönen hörern. sie standen mir allesamt gegenüber. bereit zu töten. als ich dann aber die augen schloss, blieb nur einer übrig. keiner sang so, keiner klang so. keiner wirkte so. auf mich. und ich blieb ein album lang regungslos auf dem kopfkissen liegen, während mein zurückgebliebener körper im beinhaus ein alibi tanzte. keiner sonst war da. hallo? ist da jemand? ballad of big nothing.
geiler song, sagte helmut. wer isn das? das war der tag, an dem ich die vielen schweigeminuten, die ich in meinem leben bisher ausgelassen hatte, nachgeholt habe. ich glaube nicht, dass elliott smith mich gekannt hat. aber er hat dennoch genug für mich getan. er hat nicht aufgehört.
ganz viele: scheinwerfer haben nur noch münzen übrig
sie zahlen von der brücke aus
das geklimper
die blechtrommeln spielen
die gegenklopfenprelude
fahrer fluchen, drehen das radio auf bis es regnet
bevor sie das abblendgesicht des gegenverkehrs
verschlucken, das sich in lichtgeschwindigkeit
in magenbefindlichkeit verwandelt, der regen kam
mir heute, am 6.10.2010
vor wie der größte sammelbegriff für all die aussichten
oder wie ganz viele größte sammelbegriffe für welt
morgen muss ich arbeiten, für den rest des lebens
auch, weil die kollegin, die mir die uhr auf die hand malt
und die kollegin, die mir aus der hand lesen kann, krank
sind: sie alle, die münzautomaten für streicheleinheiten
ganz viele von ihnen spucken das geld wieder aus
liebe autoren und autorennen,
erfreut erschaffe ich hiermit einen literaturwettbewerb.
also: gesucht werden kurzgeschichten, die ohne den buchstaben 'e' auskommen, aber trotzdem geschlechtsverkehr (sex) extrem erreeegend beschreiben.
die eingereichten texte müssen zwischen 390 und 397 wörtern lang sein.
die geschichte muss mit dem wort "also" beginnen und mit dem wort "spatz" enden.
der text muss in 23facher kopie auf dem originalbriefpapier einer bayerischen brauerei eingereicht werden.
zudem ist der einsendung eine cd beizulegen, auf der die mutter des verfassers/der verfasserin den text vorliest, ohne zu husten und ohne zu blinzeln.
achtung: teilnahmeberechtigt sind alle autoren, die nicht in darmstadt leben.
nichtmännliche autoren müssen allerdings schon in darmstadt leben.
holla: dotiert ist der preis mit dem geld, das ich aus dem verkauf meiner heavy metal-schallplattensammlung erziele.
einsendeschluss: an einem sonnigen tag im august.
abschließend: ich wünsche allen teilnehmern viel erfolg, bevorzugen werde ich niemanden, ich schwöre es.
ihr herbert h.
früher mochte ich lothar matthäus aus herzogenaurach, mochte ich nicht helga beimer aus der lindenstraße. jetzt lese ich manchmal überschriften über diesen ehemaligen fußballer und dauernden ex-ehemann, habe ich nur einen ex-fernseher. manchmal schüttle ich den kopf, aber gucke wieder lindenstraße, einmal in der woche per stream. während also er, der mit dem formidablen ex-spannschuß, einen tor macht, hat sie, die beschürzte immer nur warnende nervenputzfrau aus den 80ern, sich entwickelt: sie steht jetzt im abseits der familienbande, steht da für sich und wartet auf die anderen, auf ne art gelassen, im stich, stärker, im profil.
gestern bin ich geweckt worden von dem heftigen geschrei einer frau (mord, totschlag), das im hinterhof widerhallte wie das schreien von zwei frauen, die gleichzeitig ermordet und totgeschlagen werden. dann kam das grunzen und stöhnen eines mannes dazu und sie kamen. tatsächlich. in einklang. im chor. schaukelten sich laut und heftig zum orgasmus. danach übte jemand anderes (hoffe ich): tonleitern.
ich bin in der neuen belletristik (nr. 10) mit einem gedicht vertreten, das von judith sombray illustriert wurde. und in der aktuellen ausgabe der bella triste (nr. 27) bin ich auch drinne mit einem frage-antwort-spiel ohne fragen, so sage ich dann zum beispiel: "obwohl ich ein notizbuch habe, habe ich das selten griffbereit, dann schreib ich doch wieder (wie seit jahren) alles auf irgendwelche zettel und die liegen nun lose in taschen, bett- und brotkästen oder unter katzen herum."
"und während sich auf dem bildschirm limousinentüren öffnen, champagner in einen schuh gegossen wird und kostbare dessous in zeitlupe auf den boden fallen, legt sie sich bäuchlings über die sofalehne, damit er sie genau so pfählt, wie es der muskulöse schwarze in "triefende tiere" mit der blonden gemacht hat, heftiger sogar - was sie nicht daran hindert, später mit ihm über die frauenfeindlichkeit solcher produktionen diskutieren zu wollen."
(ralf rothmann, feuer brennt nicht)
zwei monate streichholzbriefe geschrieben
meinen absender in brailleschrift, weil ich
dich nicht mehr sehen kann
weil ich dich dachte als eine
kommende
da ich die ruhe weg hab
dich zu bestaunen wie eine blutstillende
maßnahme im
freien fall auf
eine herde von scharfen
analytikern, die wissen, wie man mich los
wird, nicht durch sprechen, nicht durchs
zuhören, einfach
durch zählen: ja
nein, ja, nein
und dies lehren in den kleineren städten, die sie leeren
können mit den halben, endlosen sätzen über mich, da
ich ja auch nur
weil ich ja doch nur
auf der anderen seite
deiner begehrlichkeit aufgetaucht
bin und die flamme mit der zunge
gelöscht habe
wir saßen auf einer bank. weil gestern einfach mal sommer war.
hinter den rhododendren saß eine gruppe mit fernseher.
weil im radio ja dauernd nur über blinde gesprochen wird. als wären die alle unter einsfünfundfünfzig und man könnte leicht über sie sprechen.
da wird immer viel behauptet im radio und keiner sieht es ein.
es war länderspiel, germany's next top model, irgendwann sternenhimmel. und viel werbung. die immer ein bisschen lauter ist.
bis der alkohol lauterer wettbewerb wurde. die stimmen sich verzerrten und streckten.
für uns radio. da hinter den rhododendren. wir hörten nur die münder.
ich hab mit dr. schneider gewettet. leberchirurg. er sagte, dass man waffen-ss nicht mit scharfem s schreibt.
ich sagte, nee, das ist ja nicht so ein wort wie joseph beuys. wir haben gewettet. er hat gewonnen.
sagt er zumindest. jetzt schulde ich ihm ein eis. der ist aber schon nett.
wer, der eis?
ja, vielleicht, aber: muss es nicht die eis heißen? wie immer, wenn es mehrzahl ist. die mehrzahlen. es ist ja die mehrzahl von ei.
ostern ist also eiszeit.
jetzt tauten wir auf, wir waren verliebt, es war gestern auf jeden fall sommer.

vorletzte woche hat mir mein freund konrad ein altes diktiergerät geschickt. hurra, hauruck, jetzt kann ich im dunkeln dichten. auf dem bett liegen und mit dem daumen per schieber am mikrofon alles steuern: aufnehmen, zurückspulen, anhören, lächeln. weil das ist wirklich eine freude. im dunkeln dichten bedeutet ungehemmter sein. ungehemmter sein bedeutet mir was.
hier also das erste dunkle gedicht, das nun das tageslicht erblickt:
name der redaktion bekannt
immer wenn ich dich zum ersten mal sehe
trage ich meine unschuldsmiene auf halbem
wege zu grabe, du kommst näher
ran, für dich möchte ich fabrikant
sein von regenschirmen, von weiten
rasenflächen
von fliegenschwärmen
du bringst mich dazu, dass ich
mein lächeln komplett auslache
und danach liegt ein zettel drin
auf dem steht, wo es geblieben ist
ich möchte schluckauf zeichnen
können und diesen auf die erste seite
kleben, ich will fortan dein absender
sein, ich will diese geschichte
ausschreiben und vom fliegen
schwärmen
in diesem geräumigen zeitkorridor
standen still in der luft: fliegen wie
uhren, wie spät es ist?
es ist: wenn der schatten unter den füßen
unter größe 39 schrumpft
heißen alle frauen wie du
sonntag
27. juni
19 uhr
hamburg
magellan-terrassen
lesebühne "hamburger ziegel"
gerhard henschel
katrin seddig
rainer moritz
ich
sowas wie fußballtexte ("katastrophen mit kick")
eintritt frei
habe noch nichts geschrieben
und momentan keine zeit
komme vielleicht auch
da habe ich doch behauptet, ich würde hier keine bilder mehr von mir veröffentlichen. dem widerspreche ich jetzt vehement öffentlich, öffentlich vehement.
weiß der teufel, was mich da geritten hat, wem ich da was recht machen wollte. alles, was ich hier mache, ist selbstdarstellung, warum sollte ich also auf bilder verzichten? außerdem möchte ich mich veräußern, momentan. vielleicht ist in drei wochen wieder alles anders. glaube ich zwar nicht, und wenn doch, dann halte ich mich mit absoluten aussagen zurück. oder auch nicht, ist ja mein blog (und nicht mein leben).
also, der wankelmütige herr hindringer ist zurück und liegt und steht und tanzt und guckt aus bildern raus.
hamburg, 2010
fotografiert von anja finger

hamburg, 2009
was auch schön ist: ein endlich neues buch von katharina soll in absehbarer zeit erscheinen. munkelt man.
gestern wurde eines meiner gedichte auf wdr 5 im literaturmagazin "bücher" vorgestellt. ich hab das erst hinterher durch einen freundlichen gästebucheintrag auf meiner website erfahren. aber zum glück gibt es ja podcasts. hier also der kurze ausschnitt aus der sendung. das gedicht wird übrigens nicht ganz richtig gelesen, aber vielleicht sind diese enjambements manchmal einfach zu waghalsig. ich hab mich auf jeden fall gefreut. so wie ich mich immer freue, wenn jemand mich liest.
oder hört: vom suchen des glücks
nach dieser rezension würde ich das buch ja echt haben wollen, gell.
das nächste wird ein kochbuch.
oder ein möbelkatalog.
oder ein malbuch.
das einfach viel zu stumpf ist".
the hirsch effekt aus hannover haben gerade ihr debütalbum "holon : hiberno" veröffentlicht. zwei gedichtfragmente von mir finden dabei verwendung, laut zu werden. das freut mich. und ich war gerührt, als ich das vor einer woche live erlebt habe.
meine super 8-kamera und ich. am inn. in passau. 2003.
bonnie prince billy.
oh neis, is sät se wind? - jäa.
gestern präsentierte die literaturzeitschrift randnummer erneut vier schöne dichter hier im lyrikkleinstadtland hamburg.
gerald fiebig aus augsburg:
manchmal mag ich gedichte schon echt gern. manchmal sind sie wie anrufe von entfernten menschen. eines der gedichte von tom schulz endete mit: "einer schneite noch". das war ich. das ist über mich.
denkt man dann.
wenn du nun mal exhibitionistisch veranlagt bist. ich sage: stimmt schon. aber das andere nicht. und jetzt: keine bilder mehr: mit mir drauf. ich tu ab jetzt einfach nicht mehr so.
zum abschluss eine kleine serie aus 2005. die ich mag, weil ich da ich bin. aus dem auto fotografiert von sabine imhof. 


zwischen zürich und brig, 2005
letztes jahr wollte die taz mal ein portrait über mich machen. der interviewtermin fand dann auch statt. aber danach hab ich nie wieder was gehört. zu dem artikel sollte ich ein gedicht beisteuern. ich hab extra eins geschrieben. vielleicht lags daran.
(kann man drauf klicken, dann wirds größer)
also: vor ein paar wochen wurde ich in der faz als "spaßvogel" bezeichnet. da die faz nicht mir gehört, schwieg ich, fand das aber trotzdem ziemlich ungehörig.
auch in der gestrigen ausgabe der welt ging es um die anthologie "lyrik von jetzt zwei" - in der rezension dazu heißt es über mich: "... oder rüpelhaft-witzige spaßvogel-gesten wie bei herbert hindringer".
also (da die welt mir genauso gehört wie jedem anderen):
liebe welt,
ich bin kein spaßvogel. das ist nämlich die steigerung von galgenvogel.
glaub mir das bitte.
dein herbert
zur erinnerung: ich habe ein buch geschrieben. man kann es kaufen.
ein anderes buch ist ausverkauft, aber man kann es klauen.
"oder sie spürten auf dem höhepunkt der leidenschaft plötzlich, wie sie ihnen auf dem rücken einen pickel ausdrückte."
(jeffrey eugenides, die selbstmord-schwestern)
sie: wie ein ballonfahrer ohne hände
steigt sie auf und auf
dauer falle ich auf
sie herein: eine tiefe
stimme ruft mich zurück und auf
alle fälle gern mach ich das
wieder gut:
den schrei
ich: ja, wie ein sterbenskranker
steh ich auf
einem dunklen fleck
der langsam nach oben wandert
die hautärzte ziehen ab
als die schatten verfliegen
und sie: sie winkt nicht einmal
sie wirkt und wird und mehr erhöht
dass aus hamburg keine nennenswerte literaturzeitschrift kommt.
nun neu: die erste ausgabe der randnummer. ich bin da auch drin, aber vor allem ron winkler. "wenn wir nicht schlafen können, zählen wir / die rettungswagen, die an den krankenwagen, in denen wir uns befinden, / vorüberfahren". darum gedichte.
dass man in der gegenwart leben soll.
da bin ich auch drin: im deutschen lyrikkalender 2010. mit meinem eigenen lieblingsgedicht von mir. es ist schon alt. an meinem geburtstag. dann bin ich noch älter.
dass drumherumgerede nervig ist.
wo ich noch drin bin und froh: in einer anthologie, deren titel nicht schön ist, aber alles andere schon. "skeptische zärtlichkeit". eine besondere sammlung, finde ich. da gibt es 29 dichterinnen und dichter mit ihren gedichten (u.a. adrian kasnitz, beatrix haustein, uljana wolf), aber es gibt auch texte der dichter übers eigene schreiben ("vom vermeiden von gedichten"), und dann noch 29 ein- und hinführungen zu den dichtern (durch beispielsweise jan wagner, ron winkler, björn kuhligk, hendrik jackson). das ist durchaus spannend zu lesen, weil es zumeist konzentrierter ist als das übliche geschwafel, wenn lyrikleute übers wetter reden, das herrschen muss, damit es nicht regnet. darum empfohlen.
das ende eines taz-interviews zum thema sicherheit und überwachung mit dem berliner cdu-politiker peter trapp.
"taz: fassen wir zusammen: kameras können nicht verhindern, dass man zusammengeschlagen wird, sicherheitspersonal ist knapp. was kann getan werden, um die u-bahn sicherer zu machen?
trapp: ich wäre dafür, dass man in s- und u-bahn besondere waggons einführt. die fahrkarte kostet dann etwas mehr, dafür sind dort sicherheitskräfte. wer sich sicher fühlen will, geht dorthin. dann brauchen wir auch keine videoüberwachung mehr. leider ist das nie richtig diskutiert worden."
"gregor kommt", steht auf dem plakat, das aber dann doch den gysi zeigt. warum muss heutzutage ein politiker zu unserem guten, alten gregor werden? wofür ist das gut? vielleicht lenkt es von all dem anderen ab. wenn ich ihn mag, den frank-walter, dann muss er mich ja nicht mehr überzeugen.geht keinesfalls wählen! ich geh nicht wählen. und um es noch deutlicher zu machen: ich nehm auch nicht an der briefwahl teil. und ich lasse mir nicht einreden, dass es wichtig wär, es doch zu tun. demokratie und so, jaja.
jetzt zu was anderem: ich beantworte freiwillig eine frage, die mir keiner gestellt hat. warum ich frauenfußball nicht ernst nehme? es liegt an den torfrauen. die sind einfach so schlecht. punkt.
bis zum nächsten mal, euer herbert
am 28. oktober in berlin in der lettrétage: neues vom jetzt. mit stefan schmitzer und mir. moderiert von björn kuhligk und ron winkler. keine ahnung, was das wird. es fühlt sich an wie ein termin beim psychiater.
gestern stand ich im dienstwagen sitzend an der ampel, gisbert zu knyphausen sang ziemlich laut vom neuen jahr, mir reichte schon der feierabend, aber ein anderer hatte bereits urlaub und war ziemlich abwesend, donnerte mir trotzdem und deswegen hinten mit karacho rein (und ich sah ihn noch im rückspiegel heranbrausen, er hatte den blick zur seite gerichtet und als er nach vorne sah, hatte er noch ca. zehn zentimeter bremsweg übrig).
heute wurde ich von der polizei in einem anderen dienstwagen aus dem verkehr gefischt, ich musste übungen absolvieren, die irgendeinen hinweis darauf geben sollten, ob ich drogen nehme/genommen habe. die eine bestand darin, dass ich den kopf in den nacken legen und die augen schließen sollte, um dann nach einem startzeichen 30 sekunden so exakt wie möglich abzuschätzen. angeblich haben meine 30 sekunden 50 sekunden gedauert. das war natürlich sehr verdächtig. wann haben sie zum letzten mal gekifft? ich bitte sie, die arme einfach seitlich runterhängen zu lassen, ich komme ihnen jetzt nämlich ziemlich nahe und ich möchte sichergehen, dass ich ihre hände im blick habe, damit sie mich nicht angreifen, sie möchten ja sicher auch nicht, dass ich ihnen weh tue. wann waren sie zuletzt mit leuten zusammen, die gekifft haben? sie sehen müde aus. nehmen sie sonst irgendwas? einen angenehmen tag noch.
exakt 30 sekunden später begann ein neues jahr und gisbert zu knyphausen sang lauter als jemals zuvor.
unter yearbook yourself kann man im handumdrehen witzige bildchen von sich oder anderen lieben menschen erzeugen.
so oder so oder so oder so hätte ich ausgesehen, hätte ich mir nicht so viel mühe gegeben, in den 70er jahren in niederbayern geboren zu werden.




ich war heute zum ersten mal bei einem pauli-spiel (weil ich die karte geschenkt bekommen habe). es war toll (sinngemäßes zitat), ich war angetan von dem ganzen drum und dran (überdies war es eine mitreissende partie (2:2 gegen duisburg) (das bild zeigt übrigens den elfmeter zum 1:0 für st. pauli durch florian bruns (aufgenommen mit der diana))). was mich nur (immer) etwas stört (auch beim fußball): dass jedes foul vom gegner ein verbrechen ("wichser, drecksau, arschloch"), der schiedsrichter ganz schnell ein schieber ("schieber, schieber, schieber", "hoyzer, hoyzer, hoyzer") und überhaupt der horizont nur dafür da ist, dass der ball nicht im weltall verschwindet (ich mag begeisterung, aber keine beschränkte). das ist wie in der politik, da gibt es ja auch diese parteisoldaten, die nichts hören, aber alles sehen. aber ich will nicht meckern jetzt. wählen geh ich ohnehin nicht mehr. aber zu st. pauli werde ich zurückkehren.
(erinnerung und abschweifung): früher: (als teenager) war ich hin und wieder im münchner olympiastadion, um die bayern zu sehen (heute gegen mainz verloren, pah!). ich war (wirklich) großer lothar matthäus-fan, habe jeden schnipsel über ihn gesammelt und fand ihn einfach toll (wortwörtliches zitat). jetzt ist lothar matthäus (wie) helmut kohl. der unterschied ist halt, dass es eigentlich egal ist, was matthäus so von sich gibt (gab), als spieler war er in der tat großartig. und ich erinnere mich noch, wie ich mit meiner mutter von passau nach münchen gefahren bin an einem 21. märz (matthäus' geburtstag) (war wohl 1987) und die bayern nürnberg 4:0 geschlagen haben, matthäus schoß ein unwiderstehlich schönes 4:0 (fand ich und war glücklich (stolz)). meine mutter wurde mit bier bespritzt. was gar nicht so schlimm war, weil ich mir jetzt gar nicht mehr vorstellen kann, dass das real war, dass sie tatsächlich mit mir zu einem fußballspiel gereist ist, schon stunden vor dem spiel mit mir in der südkurve ausharrte und nicht schlapp machte, nicht jammerte, nicht den eindruck machte, als wäre sie jemand, den man in der küche besuchen müsse, die im sommer wie im winter (immer gleich) grau ist, nein, sie kam mit regenschirm und sonnebrille ins äußerliche leben, um besseres zu tun zu haben, als im abseits zu stehen.

ich fotografiere wieder. mehr in zukunft.
für gewöhnlich kann man die bilder dann dort finden.
jetzt erschienen als leseheft nr. 86 im sukultur-verlag: meine kurzgeschichte "der letzte mensch mit segelohren". 
textauszug (im heft natürlich nicht in kleinschreibung):
"paul würde niemals einem fremden solche dinge erzählen. die eigene schwäche und bedürftigkeit so ausbreiten. aber er weiß, es gibt solche menschen. die setzen sich neben einen auf die parkbank und erzählen dann, ohne dass man sie auch nur einmal angesehen und damit vielleicht ermuntert hätte, warum sie ihren vater hassen und wieso sie von ihrer mutter gehasst werden.
der kerl kriegt noch schmalere lippen und dauernd dreht er das glas auf der tischplatte im kreis herum. paul räuspert sich und schnippt dann ein paar mal mit den fingern, um auch ein geräusch zu erzeugen. ihm fällt auf, dass der typ nicht blinzelt. paul sieht ihm eine minute lang ins gesicht, aber der blinzelt einfach nicht. das ist doch nicht normal.
eine weitere minute endet ohne blinzeln."
eine neue, letzte rezension zu "distanzschule".
nebenbei und doch in einem hauptsatz bemerkt: danke. im letzten jahr waren die verkaufszahlen des buches so, dass ich lächeln musste. ich freue mich über jeden einzelnen leser.
noch ein hörstück. dieses mal habe ich ein gedicht von myriam keil vertont. es heißt "von der hundehütte zum fernsehturm".
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ich habe ja diesen einen großen hit produziert. diesen ohrwurm, ihr wisst schon. letzte nacht habe ich ein video dazu gemacht.
das wäre mein beitrag für den eurovision song contest gewesen. für portugal. für die katz. für das fernweh. ich hab keinen fernseher. ich hab kleine ohren.
-->klick hier<--
diese wunde gibt gott einen namen
ich sehe nur nach oben, wochenlang
auf dem rücken liegend, fallen mir die haare aus
kommt meine oma nicht mehr von der kreuzfahrt heim
den stoffesel immer auf der brust
damit der kater sich nicht drauf legt und sie eindrückt
die stelle, die mich arbeitslos macht
ich puste und falte bücher, staple einen rücken
über den anderen, baue eine lektüre, die nicht nach draussen geht
wochenlang lege ich eine faust in die leere seite meines bettes
beobachte die katze, die sich vor dem kater hüten muss
aber trotzdem da liegt, wo sie es gerne hat mit schließenden augen
ich komme gerade vom anna ternheim-konzert im "uebel & gefährlich". und was soll ich sagen, nachdem ich gerade erst leonard cohen wie ein willenloser ministrant beweihräuchert habe.
naja, es gab einen schwächeren song bei anna ternheim. aber sonst? tolle band mit tollen sounds (cello, klimperkasten etc.) und darüber dieser gesang. ich habe ja die aktuelle cd. darauf kommt die stimme aber bei weitem nicht so zur geltung. klar tolle songs. aber. live schwebt diese stimme direkt über dem hals und bläst den kopf auf bis an die decke.
das wäre also ein fantastisches konzert gewesen. wenn die anderen menschen nicht gewesen wären. oder nicht so nah. oder sich nicht dauernd bewegt hätten. als ganzes. oder in karawanen durch das ganze hindurch. oder nicht mal da (genau wo ich stand) wieder den kopf reingereckt oder ihn dort (wo auch ich stand) durchgestreckt hätten. das kann ich alles nicht mehr so haben (ich hab manchmal den drang, in köpfe wie in äpfel zu beissen).
naja. anna ternheim. ich kann nichts machen. hier kein beleg für den tollen sound, kein beleg für einen wasserkopf, kein beleg für uebles, aber für gefährliches: für die wirkung von musik:
"'ist das gott?', fragt meine freundin am telefon, als diese platte im hintergrund läuft. ja, das ist er."
-so beginnt tina manske ihre rezension von "leonard cohen - live in london".
und ich? ich wollte schon im oktober nach dem hamburg-konzert irgendwas schreiben, eine krankmeldung, ein testament. jetzt habe ich die london-dvd. vampirmusik, würde ich sagen. auf perserteppichen. und ich? ich möchte auch einfach einer von denen sein, die ihn loben und preisen. aber ich? ich bin doch eher sprachlos. seltsam war das, in dieser color line arena. ich stiefelte eine stunde lang herum und sang "i'm your man" vor mich hin. ich kaufte mir ein alsterwasser. das zu sieben achteln aus bier bestand und das ich nach einem achtel unter meinen stuhl schob. ich saß recht weit vorne. vor mir alte menschen. ich wartete und war nicht gut darin, sang immer nur die erste strophe. ich war ausgehöhlt, wusste nicht, was ich erwarten sollte, flüsterte immer noch, als die band schon auf der bühne stand. es konnte wohl losgehen, dachte ich und mir wurde bewusst, dass man sich auf so etwas schlecht vorbereiten kann (leonard cohen, das ist die musik meines lebens, sage ich gern). dann joggte er auf die bühne. und dann wurde einfach so "dance me to the end of love" aufgespielt. und ich war auch da. leonard cohen in lebensgröße. bei "ain't no cure for love" dachte ich: das ist so banal. dass es im selben raum passiert. dann gewöhnte ich mich, talentiert wie ich bin, an die tatsachen. und konnte es genießen, konnte es feiern, ihn erhalten. den größten popmusiker aller zeiten. was für eine qualität an diesem abend, merkte ich. was für eine tolle band, merkte ich. und songs, die solche höhen ausloten, dass man die dementsprechenden tiefen mit sich nach hause tragen muss, wenn man nur einen meter sechsundachtzig groß ist. und wenn man dann an sich runterschaut, sieht man, dass im keller noch licht brennt. natürlich standen leute im weg. im block neben mir ein fahrlehrer mit cowboystiefeln und ohrring, der nicht schön nicht im takt mit seinen absätzen klopfte, an stellen, an denen andere gern husten würden, weil sie ihr leben verwirkt haben. "the partisan" (tolles arrangement, bedauerlicherweise nicht auf der london-dvd) war so erhebend, alle standen auf und klatschten, mitten im konzert. cohen kriegte aber auch das hin. meine güte, er war so vornehm, so wohlerzogen, so gut, er spielte drei stunden, nahm seinen hut immer wieder und spielte immer wieder weiter. und einen schwachen song fand er nicht. und als die webb sisters "if it be your will" vortrugen, als könnten sie damit fliegen lernen, stand cohen im schatten, den hut vor der brust und flüsterte seine worte mit geschlossenen augen mit (sieht man leider auch nicht auf der dvd, obwohl ich mir sicher bin, dass er das in london auch gemacht hat). er, das verstand ich, verdiente sich selbst. und mich? alles, was ich hier schreibe, nervt mich (aber meine güte). wer noch? bevor jemand anderer so tut, als wäre cohen ihm wichtig, will ich der größte wichtigtuer der welt sein. und sagen, dass ich am nächsten tag im bett lag, als wäre ich krank. es war überall in mir. ich hatte ihn echt gesehen, merkte ich da endlich.
naja, ich habe lyrikkritik schon niemals nicht auf einem ausgestreckten arm nach oben gehalten, um sie als wertgegenstand zu betrachten. der wert ergibt sich für mich aus der information, die ich daraus ziehen kann (etwas neues entdecken, auf etwas aufmerksam werden und selber gucken). den wissenschaftlichen ansatz bei lyrikrezensionen finde ich schlechter als den essayistischen, den ich wiederum schlechter finde als den persönlichen. am allerwenigsten schlecht finde ich den leidenschaftlichen zugang zu einem gedicht, einem lyrikband, einer anthologie.
nicht gut finden kann ich die heute im poetenladen veröffentlichte „polemik“ von alexander nitzberg zu „lyrik von jetzt zwei“. dabei geht es mir weniger darum, dass ich persönlich schlecht wegkomme (nebenbei bemerkt: bislang war ich eher ein günstling der rezensenten des buchs). mir geht es um die grundthese am anfang von nitzbergs ausführungen: junge lyrik ist vielleicht auch „unreif, schülerhaft und grün“, sagt er da als option (was an sich schon eine so doofe verallgemeinerung auf einem so unglaublich kleinen nenner darstellt, dass es mich wundert, dass der nitzberg seine rezension nicht mit den worten beginnt: heute wollen wir mal die junge lyrik betrachten, liebe freunde). okay, junge lyrik kann auch unreif, schülerhaft und grün sein. meint herr nitzberg. das will er dann nach ein paar diplomarbeitssätzen belegen, tut es aber nicht tatsächlich, schafft es nicht, nicht die chance eines hauchs. nitzberg erweist sich in meinen augen als verbohrter abc-schütze, der seine eigene beschränktheit (an sich keine schlimme sache, die subjektive lesart eben, persönliche vorlieben) als überführung hinstellt (dadurch wirds dann aber doch schlimm). oder er reißt einzelne sätze aus dem zusammenhang und stellt sie als beleg für seinen willen hin (da wirds dann lächerlich).
aber er hat sich durchaus mühe gegeben, der alex. er findet ein paar gute sätze wie z.b.: „im traum mich der bock noch immer / gegen den maschendrahtzaun rammt“ oder „sie gehn im gleichschritt und der gleichschritt macht sie schön“.
und nun? nun machen alle weiter wie vorher. herr alexander nitzberg ja vielleicht mit solchen versen: „als ein furchtloser schwimmer /sprang ich herab vom fels / in den flutenden schimmer
/ deines fells!“ (ebenfalls im poetenladen zu finden, wo man aber durchaus auch tolle entdeckungen machen kann).
habe heute zum fünften mal die inszenierung von medea im hamburger schauspielhaus gesehen.
(hier die erfahrung vom zweiten mal).
wie ergriffen ich wieder war. vom schluss, von anfang an, und vom ende, wenn die schauspieler verdientermaßen gefeiert werden. alle trampeln für ute hannig, die die medea ausfüllt bis zum bersten. und ich sitze noch eine stunde später da und möchte immer wieder philipp otto anpreisen, den ich für den sehenswertesten schauspieler überhaupt halte. wo der mitspielt, möchte ich einfach davor sitzen, bange und lange.
ich brachte dich zum bus, du warst nur ein paar stunden hier
von jahr zu jahr
deine reisetasche machte diesen abschied zu einem größeren
nach einem längeren gefühl
in deiner tasche: schlafanzug, aber nicht die passende nacht
der bus war spät, war übervoll, war deiner
du passtest gerade noch hinein, wie keiner
als der bus losruckte und du dich nirgends festhalten konntest
pralltest du gegen all die anderen, die masse
fand ich traurig, weil ich weiß, dass du all die anderen nicht magst
und nicht weißt, wie du dich entschuldigen sollst
und ich blieb da stehen, bushaltestelle um halb uhr morgens
und wartete, weil ich wartete darauf, dass du wiederkommst
das hoffe ich fast immer, wenn du weggehst.
ich mit einem alten gedicht. hinter mir der passauer christkindlmarkt 2008.
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vorgestern die lesung in leipzig. hätte auch rasenmähen in leipzig sein können, kamen nämlich nicht allzu viele leute (und hauptsächlich leute, die selber mähen). aber naja, so ist das. und ich fands trotzdem ganz schön. erkenntnistheoretisch. und menschlich. es ist ja auch fein, ein paar dieser dichter mal persönlich zu treffen. und etwas mehr zu verstehen (ron kannte ich ja schon, aber nicht als raucher). 