Hamburg, 2017
Nach dem kürzlichen Abgesang auf meine Gedichte, folgt hier dennoch/deswegen ein Link zu frischen Englisch-Übersetzungen alter Gedichte von mir (aus "biete bluterguss & suche das weite", in Übersee auch bekannt als "offer hematoma & seek the wide"), übertragen von Maria Hofmann.
Zur aktuellen Ausgabe von "No Man's Land"
"closer I cannot get to you today"
Ich habe im letzten Jahr quasi keine Gedichte geschrieben. Ich lese derzeit keine Gedichte. Ich verblute nicht im übertragenen Sinne.
Es gab schon immer solche Phasen. Dass Gedichte für mich sind wie Bedienungsanleitungen für Kochlöffel.
Und meine Gedichte sind wie selbstklebende Briefmarken. Das Porto zahlt aber der verdammte Empfänger.
Dass ich es dieses Jahr nicht ins "Jahrbuch der Lyrik" geschafft habe, das trifft mich. Kann ich ja auch gern zugeben, interessiert ja eh keinen. Als Dichter nimmt mich kaum einer wahr geschweige denn ernst. Eingereicht für die Anthologie habe ich zehn Gedichte aus 2015, die ich für gut halte. Dass ich aber nun nicht vertreten bin, dafür wieder unzählige Scheißgedichte in dem Buch zu finden sein werden, das frustriert mich. Und ich weiß nicht, wie ich so neue Gedichte schreiben soll. Wenn ich nicht mal ein klägliches Gedicht im "Jahrbuch der Lyrik" unterbringe, wie sollte da ein Verlag auf die Idee kommen, ein ganzes Buch von mir herauszubringen?
Hier gleich einmal vorab ein paar eurer Gedanken, damit ihr euch nicht bemühen braucht: Unreifes banales Gehadere, hält sich wohl für den Tollsten, wenn er so dichtet wie er klagt, dann sollte er froh sein, dass er nicht veröffentlicht wird, herrje, was für eine weinerliche Mimose, es hat schon seinen Grund, dass ich kein Gedicht von ihm auswendig heruntersagen kann.
Hier einer meiner Gedanken: Pfff!
Lyrik zur Teatime.
Am 29. Januar lese ich um 17.00 Uhr im Hamburger Literaturhaus im 1. Stock zusammen mit Sylvia Geist Gedichte vor, wahrscheinlich laut. Man kann also sogar husten währenddessen. Oder als Antwort Wörter brüllen, die sich auf unsere reimen.
Kommt nicht alle, nur die mit Zahnlücke.
Eintritt: 7 Euro.
Aufpassen, das Jahr ist nicht die Hölle, sondern nur ein möglicher Weg dorthin.
Gehaben Sie sich wohl, Herr Komiker.
' Cute little Bird Machine'Very cute little vintage mechanical singing bird mechanism.Made in the 1890's in Paris,probably by Bontems.The mechanism was in a rusted and seized state and has been restored. Surprisingly even the bellows are in good original condition.more great videos:https://www.youtube.com/user/69mechanikfacebook/ https://www.facebook.com/The-House-of-Automata-156844667689921/?fref=tswebsite:http://thehouseofautomata.com/
Posted by Mesmerizing Instruments and Sounds on Sonntag, 24. Januar 2016
Am 3. Februar (Mittwoch) lesen Carsten Brandau, Claudia Claus, Andreas Dauerer, Petra Kluge und ich unsere Texte, die in der Writers' Room-Anthologie "Dachkammerflimmern" erschienen sind.
Ort: Chavis Kulturcafé, St. Pauli
Beginn: 19.30 Uhr
Eintritt: frei
Mikro: nein
Wetter: Hamburg
Nachwelt: vielleicht
„Allen Gewalten zum Trutz sich erhalten“ (J. W. v. Goethe)
Paris ist aus der Stadt hinaus aufs Land gefahren
um die Abschaffung des Lebens zu überdenken
unterdessen wurde der Welt vom Krieg der Mensch erklärt
manche nahmen den Ernst und fällten ihn wie einen Baum
sie stahlen den Himmel über der Krone
und spannten ihn über ihre leere Brust
in den Manteltaschen Blut für die schlechtesten Zeiten
in den Köpfen der Vorteil, kein Mensch sein zu müssen
Markus Söder wollte ebenfalls kommen, rief dann aber an
dass er sich verspäte, weil man ihn auch umgebracht habe
doch es gebe eine bessere Lösung, jubilierte er, er bringe
sie mit. ich saß vor dem Fernseher, schaltete den Ton aus
betrachtete Köpfe ohne den Schrei nach Gerechtigkeit in ihren Mündern
ich lieh ihnen meine Stimme, so konnten sie nur über mich etwas sagen
das, was ich dachte, da ich die Menschheit selbst nicht mehr verstand
so gab ich zu, dass ich nur noch halb war: halb froh und halb lebendig
halb erregt und halb verschlossen. ich erwähnte freimütig
dass ich selbst vom Tod abstammte. dann sagte ich: Paris
du bist mein Ohr, in das ich jetzt flüstere: Schlafe gut
in diesem Nachtzug, der nun zurückfährt in dein Land
in dem fortan alles und jeder hell erleuchtet sein wird, schlafe
auch du gut, Menschheit, Erfindung der Menschheit, ruhe aus
Bevor ich nach Wien fliege, tue ich Euch noch einen Reisengefallen Riesengefallen. Ich befehle Euch etwas. Nämlich:
Lest Ulrich Koch! "Ich im Bus im Bauch des Wals".
"Koreanische Apnoetaucherinnen, die vor Jeju nach den Tränen ihrer Töchter tauchen" und andere Schönheiten.
""Ben?"
"Ja."
"Willst du mit mir schlafen?"
"Ja", sagte er. "Das will ich."
"Hier im Gras", sagte sie.
"Ja."
Sie blickte zu ihm hoch. Im Dunkeln waren ihre Augen sehr groß.
"Mach es so, daß es schön ist", sagte sie.
"Ich will's versuchen."
"Langsam", sagte sie. "Langsam. Ja..."
Sie wurden zu Schatten in der Dunkelheit.
"Ja", sagte er. "Oh, Susan.""
(Stephen King, Brennen muß Salem)
Hier ein feministisches Gedicht, das in einer Tisch-und-Bett-Schreibwerkstatt, die ich mit Judith Sombray betreibe, entstanden ist.
Dieses Thema ("Feminismus", von mir gestellt) war anders, vielleicht schwieriger als andere ("Auto", "Lampe" etc.), aber es war auch erhellend (wie eine Lampe) und hat mich weitergebracht (wie ein Auto).
Hier also mein Gedicht zum Thema, Judiths ist auf ihrem Blog zu lesen.
Nach Diktat vereist
Weil die Nacht im Spiegel nicht zu sehen ist
ist das Gesicht darin nicht traurig genug
nur die Haare sind schwarz, aus dem Zimmer nebenan
kommt das Geräusch von kürzeren Geräuschen
die im Hals stecken geblieben sind, ein Diktat
Doppelpunkt wir sind männlich
Absatz mit freundlichen Grüßen
komm auf den Eisberg, wir werden Namen ausrufen
und vielleicht ist deiner darunter
während es in den Vorstädten bereits darauf schneit
Zwischenüberschrift: Gleichberechtigung
das ist ein Tag wie ein abstürzendes Flugzeug
düsteres Licht von weit oben, im Sorry Center nur leere Stühle
die dicken Frauen sind nicht zurückgekehrt, aber die dicken Männer
liegen auf den dünnen Männern, die dünneren Männer
rutschen zwischen die fiesen Männer, die fieseren Männer
schlagen auf die kleinen Männer ein, die kleineren Männer sehen auf
Frauen herab, wie Frauen nie an sich herabsehen, an heranwachsenden
Frauen, an halbstarken Frauen, an mächtigen Frauen
liegt es, die kleinsten Männer kennen nur die eigenen
Mütter von unten, aber auch ein schlechtes Haus hat Stockwerke
ein Irrtum wächst über die Jahre bis nach oben, sich selbst begattend
Herrenhäuser werden Hausherren von Hausherren vermacht
in stahlblauen Augen kein Gitter, kein Vorhang, himmlischer Ausblick
da ist noch Luft nach oben, durch das Einsaugen dieser
erhebt sich die Chefetage in den luftleeren Raum, diese Männer
sind aus Federkleid und Unmündigkeit geschlüpft, sind aus
auf vererbbare Frauen, auf Frauen aus klirrendem Glas
auf Frauen aus Vorzimmern, die zum Himmel stinken
und mal wieder rosa gestrichen werden müssten
mit noch freundlicheren Grüßen:
von einem Weibsbild sind regelmäßig Röntgenbilder zu machen
um zu kontrollieren, ob das Wesen darin sich verändert
Religion schützt die Menschen nicht
vor Dummheit, auch zwei Religionen schützen die Menschen nicht
vor Dummheit, drei Religionen schützen nicht einen einzigen Menschen
vor der Dummheit, auch wenn sie ihn umzingeln können
vier Religionen schützen nicht vor
fünf Religionen, fünf Religionen machen müde
sechs Religionen machen
lebensmüde, sieben Religionen machen Lebensmüde
zu Scharfschützen, Scharfschützen machen aus blutigem Ernst
eine Religion, die keine weitere neben sich duldet, acht Religionen
schützen die neunte Religion vor bösen Überraschungen, neun
Religionen sagen: Mensch, wir schützen dich
vor Dummheit, das kannst du ruhig glauben
gerne auch ganz laut, sprich hier hinein, bevor es blitzt
zehn Religionen hüten ihre Machtgeilheit wie eine Impotenz
elf Religionen schützen die Menschen nicht
vor den Menschen und zwölf Religionen schützen dann auch nicht mehr
die Dummheit vor der Menschheit
sie hatte noch keinen Namen, sie war die Unordnung, haushoch stapelbar
die beiden kamen selten aus der Tür, die Bäume blieben vor dem Fenster
er spielte sich die eigenen Hilfeschreie unter dem Kopfhörer vor
jedes Mal wenn er lachte, schaltete sie ein weiteres Licht aus
so kam schließlich die Nacht, dorthin hatte er sich schon seit Stunden gedacht
er drehte seinen Körper aus der Fassung
es gelang ihm nicht, in einen fremden Traum zu gelangen, er blieb
der Hausmeister mit Regentropfenbart
mit einem Anrufbeantworter, der nicht sprach
sie stieg in die obere Etage und brachte das Gebäude zum Wanken
sie berührte fast die Vögel, die von den Wolken an Land gebracht wurden
und dann das Morgengrauen: am Himmel eine bleibende Erinnerung
sie fragte nicht, sie kam selbst aus der Vergangenheit
und für sie blieb auch er ohne Namen
er war einfach schwer zu erkennen unter all den Umständen
Günther Emig und Peter Engel haben eine neue Literaturzeitschrift gegründet: Hammer + Veilchen - Flugschriften für neue Kurzprosa.
Die Zeitschrift soll alle drei Monate erscheinen.
Die erste Ausgabe ist gerade herausgekommen (ich bin auch darin vertreten, dazu u.a. Mirko Bonné, Elke Engelhardt und Gunter Gerlach).
Auf der Website kann man sich die kostenlos als PDF runterladen.
Gegen Rückporto kann man sie auch in gedruckter Form erhalten.
Am Schicksten ist meiner Meinung nach die Kindle-Version für 19 Cent.
Amazon-Boykottierer können hier das eBook im epub-Format bekommen.
Kurz- und Sehr-kurz-Prosa ist etwas sehr Anziehendes. Kleiden Sie sich neu ein, es ist Herbst!