
diana f+, langzeitbelichtung, 10-15 minuten etwa.
hamburg, 2009
an elliott smith mochte ich, dass er nicht schön war. seine lieder waren es dafür umso mehr. als es nur noch einen musiker gab, auf dessen neues album ich wirklich wartete, erstach er sich. heute vor sieben jahren. da musste ich die augen schließen. sogar im dunkeln. weil die schönheit keine rolle mehr spielte, sondern krieg. all die schönen leute mit ihren schönen songs und ihren schönen hörern. sie standen mir allesamt gegenüber. bereit zu töten. als ich dann aber die augen schloss, blieb nur einer übrig. keiner sang so, keiner klang so. keiner wirkte so. auf mich. und ich blieb ein album lang regungslos auf dem kopfkissen liegen, während mein zurückgebliebener körper im beinhaus ein alibi tanzte. keiner sonst war da. hallo? ist da jemand? ballad of big nothing.
geiler song, sagte helmut. wer isn das? das war der tag, an dem ich die vielen schweigeminuten, die ich in meinem leben bisher ausgelassen hatte, nachgeholt habe. ich glaube nicht, dass elliott smith mich gekannt hat. aber er hat dennoch genug für mich getan. er hat nicht aufgehört.
ganz viele: scheinwerfer haben nur noch münzen übrig
sie zahlen von der brücke aus
das geklimper
die blechtrommeln spielen
die gegenklopfenprelude
fahrer fluchen, drehen das radio auf bis es regnet
bevor sie das abblendgesicht des gegenverkehrs
verschlucken, das sich in lichtgeschwindigkeit
in magenbefindlichkeit verwandelt, der regen kam
mir heute, am 6.10.2010
vor wie der größte sammelbegriff für all die aussichten
oder wie ganz viele größte sammelbegriffe für welt
morgen muss ich arbeiten, für den rest des lebens
auch, weil die kollegin, die mir die uhr auf die hand malt
und die kollegin, die mir aus der hand lesen kann, krank
sind: sie alle, die münzautomaten für streicheleinheiten
ganz viele von ihnen spucken das geld wieder aus
liebe autoren und autorennen,
erfreut erschaffe ich hiermit einen literaturwettbewerb.
also: gesucht werden kurzgeschichten, die ohne den buchstaben 'e' auskommen, aber trotzdem geschlechtsverkehr (sex) extrem erreeegend beschreiben.
die eingereichten texte müssen zwischen 390 und 397 wörtern lang sein.
die geschichte muss mit dem wort "also" beginnen und mit dem wort "spatz" enden.
der text muss in 23facher kopie auf dem originalbriefpapier einer bayerischen brauerei eingereicht werden.
zudem ist der einsendung eine cd beizulegen, auf der die mutter des verfassers/der verfasserin den text vorliest, ohne zu husten und ohne zu blinzeln.
achtung: teilnahmeberechtigt sind alle autoren, die nicht in darmstadt leben.
nichtmännliche autoren müssen allerdings schon in darmstadt leben.
holla: dotiert ist der preis mit dem geld, das ich aus dem verkauf meiner heavy metal-schallplattensammlung erziele.
einsendeschluss: an einem sonnigen tag im august.
abschließend: ich wünsche allen teilnehmern viel erfolg, bevorzugen werde ich niemanden, ich schwöre es.
ihr herbert h.
früher mochte ich lothar matthäus aus herzogenaurach, mochte ich nicht helga beimer aus der lindenstraße. jetzt lese ich manchmal überschriften über diesen ehemaligen fußballer und dauernden ex-ehemann, habe ich nur einen ex-fernseher. manchmal schüttle ich den kopf, aber gucke wieder lindenstraße, einmal in der woche per stream. während also er, der mit dem formidablen ex-spannschuß, einen tor macht, hat sie, die beschürzte immer nur warnende nervenputzfrau aus den 80ern, sich entwickelt: sie steht jetzt im abseits der familienbande, steht da für sich und wartet auf die anderen, auf ne art gelassen, im stich, stärker, im profil.
gestern bin ich geweckt worden von dem heftigen geschrei einer frau (mord, totschlag), das im hinterhof widerhallte wie das schreien von zwei frauen, die gleichzeitig ermordet und totgeschlagen werden. dann kam das grunzen und stöhnen eines mannes dazu und sie kamen. tatsächlich. in einklang. im chor. schaukelten sich laut und heftig zum orgasmus. danach übte jemand anderes (hoffe ich): tonleitern.
ich bin in der neuen belletristik (nr. 10) mit einem gedicht vertreten, das von judith sombray illustriert wurde. und in der aktuellen ausgabe der bella triste (nr. 27) bin ich auch drinne mit einem frage-antwort-spiel ohne fragen, so sage ich dann zum beispiel: "obwohl ich ein notizbuch habe, habe ich das selten griffbereit, dann schreib ich doch wieder (wie seit jahren) alles auf irgendwelche zettel und die liegen nun lose in taschen, bett- und brotkästen oder unter katzen herum."
"und während sich auf dem bildschirm limousinentüren öffnen, champagner in einen schuh gegossen wird und kostbare dessous in zeitlupe auf den boden fallen, legt sie sich bäuchlings über die sofalehne, damit er sie genau so pfählt, wie es der muskulöse schwarze in "triefende tiere" mit der blonden gemacht hat, heftiger sogar - was sie nicht daran hindert, später mit ihm über die frauenfeindlichkeit solcher produktionen diskutieren zu wollen."
(ralf rothmann, feuer brennt nicht)
zwei monate streichholzbriefe geschrieben
meinen absender in brailleschrift, weil ich
dich nicht mehr sehen kann
weil ich dich dachte als eine
kommende
da ich die ruhe weg hab
dich zu bestaunen wie eine blutstillende
maßnahme im
freien fall auf
eine herde von scharfen
analytikern, die wissen, wie man mich los
wird, nicht durch sprechen, nicht durchs
zuhören, einfach
durch zählen: ja
nein, ja, nein
und dies lehren in den kleineren städten, die sie leeren
können mit den halben, endlosen sätzen über mich, da
ich ja auch nur
weil ich ja doch nur
auf der anderen seite
deiner begehrlichkeit aufgetaucht
bin und die flamme mit der zunge
gelöscht habe
wir saßen auf einer bank. weil gestern einfach mal sommer war.
hinter den rhododendren saß eine gruppe mit fernseher.
weil im radio ja dauernd nur über blinde gesprochen wird. als wären die alle unter einsfünfundfünfzig und man könnte leicht über sie sprechen.
da wird immer viel behauptet im radio und keiner sieht es ein.
es war länderspiel, germany's next top model, irgendwann sternenhimmel. und viel werbung. die immer ein bisschen lauter ist.
bis der alkohol lauterer wettbewerb wurde. die stimmen sich verzerrten und streckten.
für uns radio. da hinter den rhododendren. wir hörten nur die münder.
ich hab mit dr. schneider gewettet. leberchirurg. er sagte, dass man waffen-ss nicht mit scharfem s schreibt.
ich sagte, nee, das ist ja nicht so ein wort wie joseph beuys. wir haben gewettet. er hat gewonnen.
sagt er zumindest. jetzt schulde ich ihm ein eis. der ist aber schon nett.
wer, der eis?
ja, vielleicht, aber: muss es nicht die eis heißen? wie immer, wenn es mehrzahl ist. die mehrzahlen. es ist ja die mehrzahl von ei.
ostern ist also eiszeit.
jetzt tauten wir auf, wir waren verliebt, es war gestern auf jeden fall sommer.
vorletzte woche hat mir mein freund konrad ein altes diktiergerät geschickt. hurra, hauruck, jetzt kann ich im dunkeln dichten. auf dem bett liegen und mit dem daumen per schieber am mikrofon alles steuern: aufnehmen, zurückspulen, anhören, lächeln. weil das ist wirklich eine freude. im dunkeln dichten bedeutet ungehemmter sein. ungehemmter sein bedeutet mir was.
hier also das erste dunkle gedicht, das nun das tageslicht erblickt:
name der redaktion bekannt
immer wenn ich dich zum ersten mal sehe
trage ich meine unschuldsmiene auf halbem
wege zu grabe, du kommst näher
ran, für dich möchte ich fabrikant
sein von regenschirmen, von weiten
rasenflächen
von fliegenschwärmen
du bringst mich dazu, dass ich
mein lächeln komplett auslache
und danach liegt ein zettel drin
auf dem steht, wo es geblieben ist
ich möchte schluckauf zeichnen
können und diesen auf die erste seite
kleben, ich will fortan dein absender
sein, ich will diese geschichte
ausschreiben und vom fliegen
schwärmen
in diesem geräumigen zeitkorridor
standen still in der luft: fliegen wie
uhren, wie spät es ist?
es ist: wenn der schatten unter den füßen
unter größe 39 schrumpft
heißen alle frauen wie du
sonntag
27. juni
19 uhr
hamburg
magellan-terrassen
lesebühne "hamburger ziegel"
gerhard henschel
katrin seddig
rainer moritz
ich
sowas wie fußballtexte ("katastrophen mit kick")
eintritt frei
habe noch nichts geschrieben
und momentan keine zeit
komme vielleicht auch
da habe ich doch behauptet, ich würde hier keine bilder mehr von mir veröffentlichen. dem widerspreche ich jetzt vehement öffentlich, öffentlich vehement.
weiß der teufel, was mich da geritten hat, wem ich da was recht machen wollte. alles, was ich hier mache, ist selbstdarstellung, warum sollte ich also auf bilder verzichten? außerdem möchte ich mich veräußern, momentan. vielleicht ist in drei wochen wieder alles anders. glaube ich zwar nicht, und wenn doch, dann halte ich mich mit absoluten aussagen zurück. oder auch nicht, ist ja mein blog (und nicht mein leben).
also, der wankelmütige herr hindringer ist zurück und liegt und steht und tanzt und guckt aus bildern raus.
hamburg, 2010
fotografiert von anja finger
hamburg, 2009
was auch schön ist: ein endlich neues buch von katharina soll in absehbarer zeit erscheinen. munkelt man.
gestern wurde eines meiner gedichte auf wdr 5 im literaturmagazin "bücher" vorgestellt. ich hab das erst hinterher durch einen freundlichen gästebucheintrag auf meiner website erfahren. aber zum glück gibt es ja podcasts. hier also der kurze ausschnitt aus der sendung. das gedicht wird übrigens nicht ganz richtig gelesen, aber vielleicht sind diese enjambements manchmal einfach zu waghalsig. ich hab mich auf jeden fall gefreut. so wie ich mich immer freue, wenn jemand mich liest.
oder hört: vom suchen des glücks
nach dieser rezension würde ich das buch ja echt haben wollen, gell.
das nächste wird ein kochbuch.
oder ein möbelkatalog.
oder ein malbuch.
das einfach viel zu stumpf ist".
the hirsch effekt aus hannover haben gerade ihr debütalbum "holon : hiberno" veröffentlicht. zwei gedichtfragmente von mir finden dabei verwendung, laut zu werden. das freut mich. und ich war gerührt, als ich das vor einer woche live erlebt habe.
meine super 8-kamera und ich. am inn. in passau. 2003.
bonnie prince billy.
oh neis, is sät se wind? - jäa.
gestern präsentierte die literaturzeitschrift randnummer erneut vier schöne dichter hier im lyrikkleinstadtland hamburg.
gerald fiebig aus augsburg:
manchmal mag ich gedichte schon echt gern. manchmal sind sie wie anrufe von entfernten menschen. eines der gedichte von tom schulz endete mit: "einer schneite noch". das war ich. das ist über mich.
denkt man dann.
wenn du nun mal exhibitionistisch veranlagt bist. ich sage: stimmt schon. aber das andere nicht. und jetzt: keine bilder mehr: mit mir drauf. ich tu ab jetzt einfach nicht mehr so.
zum abschluss eine kleine serie aus 2005. die ich mag, weil ich da ich bin. aus dem auto fotografiert von sabine imhof.
zwischen zürich und brig, 2005
letztes jahr wollte die taz mal ein portrait über mich machen. der interviewtermin fand dann auch statt. aber danach hab ich nie wieder was gehört. zu dem artikel sollte ich ein gedicht beisteuern. ich hab extra eins geschrieben. vielleicht lags daran.
(kann man drauf klicken, dann wirds größer)
also: vor ein paar wochen wurde ich in der faz als "spaßvogel" bezeichnet. da die faz nicht mir gehört, schwieg ich, fand das aber trotzdem ziemlich ungehörig.
auch in der gestrigen ausgabe der welt ging es um die anthologie "lyrik von jetzt zwei" - in der rezension dazu heißt es über mich: "... oder rüpelhaft-witzige spaßvogel-gesten wie bei herbert hindringer".
also (da die welt mir genauso gehört wie jedem anderen):
liebe welt,
ich bin kein spaßvogel. das ist nämlich die steigerung von galgenvogel.
glaub mir das bitte.
dein herbert
zur erinnerung: ich habe ein buch geschrieben. man kann es kaufen.
ein anderes buch ist ausverkauft, aber man kann es klauen.
"oder sie spürten auf dem höhepunkt der leidenschaft plötzlich, wie sie ihnen auf dem rücken einen pickel ausdrückte."
(jeffrey eugenides, die selbstmord-schwestern)
sie: wie ein ballonfahrer ohne hände
steigt sie auf und auf
dauer falle ich auf
sie herein: eine tiefe
stimme ruft mich zurück und auf
alle fälle gern mach ich das
wieder gut:
den schrei
ich: ja, wie ein sterbenskranker
steh ich auf
einem dunklen fleck
der langsam nach oben wandert
die hautärzte ziehen ab
als die schatten verfliegen
und sie: sie winkt nicht einmal
sie wirkt und wird und mehr erhöht