28.07.11

Profi-Teufelskerle

laufen 100 Meter Amok unter 3 Minuten, einmal um die ganze Welt
ein Staffellauf durch alle Gesichtsbücher, oh Gott, wir sind fassungslos
ihr auch? Nur Amy Winehouse als Stolperstein
Fuck Amy, es sind 76 unschuldige Menschen gestorben, oh

meine Güte, deine Güte, was für ein Arschloch, Hans-Peter Uhl
(CSU) sagt: In Wahrheit wurde diese Tat im Internet geboren

Da nehmen wir doch gleich Erziehungsurlaub, bilden uns fort und weiter
im Text: Wir sind die deutsche Synchronstimme des norwegischen Volkes
immerhin sind wir nicht verfassungslos und wachsen sorglos auf

dem Boden der Tatsachen fest
gehen in die Kneipe, denn draußen findet das wahre Leben statt
Tod statt, das gilt auch für hier drinnen, ein Bier, wir nicken und schütteln Köpfe
und Hände, wissen mehr als andere: In was für Zeiten wir nur leben

aber nicht lieben, Herzschmerz ist eine App, die man als Wecker benutzt
in den finsteren Nächten, in denen Haustiere sterben
wacht man als Achtjähriger auf und Satan liegt unter dem Bett

schnurrt wie eine Erinnerung, so wird der Kopf zum Fall von ganz oben
wartet auf Knien und auf Gedeih und Verderb und auf den nächsten Knall

22.06.11

08.06.11

Nichts außer Fasanengeschrei

Der Blick aus dem Zimmerfenster morgens. Die Fliegen zogen schließlich Leine. Blieben die Fasane.
"Der Fasanenhahn verfügt über ein breites Lautrepertoire, das zu einem großen Teil aus unmelodisch rauen, krähenden oder metallisch lauten Rufen besteht. Häufigster Ruf ist der Revierruf, der zur Fortpflanzungszeit, vereinzelt aber auch im Herbst zu hören ist – ein zweisilbiges, lautes und unmelodisches göö-gock oder kotock" (Wikipedia).
Sonst alles weit weg.


Spiekeroog 2011

10.05.11

Das Ende der Luftschlange

Mein zweites "politisches" Gedicht für DIE ZEIT ist nun auch online.
Ansonsten: Böser Pickel auf der Nase, Heinz Rudolf Kunze-Lieder, um die Gedanken an eine Ex-Freundin zu verschachteln, hab soviel gegessen, dass ich jetzt Nichtessen plane mit einem Taschenrechner.

05.05.11

Schnellschüsse

Montag: Mir kamen die Bilder von jubelnden Amerikanern, die Bin Ladens Exekution zelebrierten, seltsam vor. Mehr sag ich ja gar nicht.
"Today's achievement is a testament to the greatness of our country and the determination of the American people" (Barack Obama). Er sagte noch mehr.
Was sagt der Tag danach: Die Bilder sprechen nicht alle für sich, die vom toten Bin Laden werden nicht gezeigt (nur ein gefälschtes Foto ist kurz im Umlauf). Darum habe ich selber ein paar Bilder gemacht. Die sind heute als Gedicht mit dem Titel "Teilnehmerzahl nicht bekannt" im Politikteil der ZEIT erschienen. Generell schreibe ich ja nicht sehr schnell, ein Gedicht wird im Normalfall später fertig als ein selbstgehäkelter Topflappen. Sehr mag ich ja gar nicht.

29.04.11

03.04.11

Links

"Stromausfall im Bundestag" kann man hier lesen.
Und wer die Augen vor dem Grauen verschließen will, kann hier die Vertonung eines Gedichtes hören, die ich mal für die Website der Literaturzeitschrift "randnummer" gemacht habe.

31.03.11

Nachts sind alle Roten und Grünen grau

Heute im Politikteil der ZEIT: mein Gedicht "Stromausfall im Bundestag".
Ich bin erfreut und aufgeregt. Da sind plötzlich so viele potentielle Leser, während ich mit dem Fahrrad in die Arbeit fahre. Während ich an einer roten Ampel stehe. Während ich an einen kommenden Urlaub denke. Während ich mit einer Rentnerin Vogelfutter kaufe. Während ich in einer Behörde sitze, um mit jemandem Sozialhilfeleistungen zu beantragen. Während ich im Toilettenspiegel mein gerötetes Gesicht ansehe. Während ich Gemüse kaufe. Und so weiter.
Das Gedicht ist ein Merkel-Gedicht und sie ist immer noch Bundeskanzlerin, während ich das Gemüse esse.

12.03.11

Ergänzung

Ein Album aus 2010, das ich auch sehr mag: "Holon : Hiberno" von The Hirsch Effekt. Auf zwei Songs wurden Textfragmente von mir verwendet. Darüber freue ich mich immer noch sehr und denke mit glühendem Herzen an das Konzert vor einem Jahr zurück und an die schönen einleitenden Worte von Nils vor "Epistel/Calmo". Der andere Song mit worten Worten von mir ist folgender:


11.03.11

Einiges im Blocksatz zusammengefasst

Die durchgehende Kleinschreibung führte nicht mehr weiter. Darum schreib ich jetzt ein Wort wie Wort nicht mehr wort, sondern Wort. Auch in Gedichten, die Wörter. Und ich esse keine Tiere mehr seit Jahresbeginn. Das war kein guter Vorsatz, das war eine Notwendigkeit. Letzten Anstoß gab das Buch von Karen Duve, das ich nur wärmstens empfehlen kann. Es ist spannend zu lesen und lässt einen nicht kalt. Im Nachhinein ist es mir fast ein bisschen unangenehm, dass ich nicht früher und selbständig über meine Essgewohnheiten nachgedacht habe (ich hab schon mal ca. ein Jahr lang kein Fleisch gegessen, aber die Gründe waren eher oberflächlich). Nach einer Woche Vegetarierdasein entschied ich mich dann, fortan vegan zu leben. Und was soll ich sagen? Käse ist manchmal wie Sex, sehr verlockend. Aber man kann glücklicherweise auch Sex haben, ohne dass Tiere leiden müssen. Es geht hervorragend und das Essen danach ist köstlich. Ich kann es nur lobpreisen, das vegane Leben. Vegetarismus hingegen würde ich fast verlangen wollen (wenn ich vor sechs Wochen etwas darüber geschrieben hätte, dann wäre das wesentlich missionarischer geworden, so verlange ich das einfach nur nüchtern und sachlich von euch denkenden Menschen). Was anderes: Das beste Album des letzten Jahres war für mich "Hurra! Hurra! So nicht." von Gisbert zu Knyphausen ("Die Welt ist gräßlich und wunderschön", "Gegen Fernweh hilft nur das Heimweh, das rufe ich und renne los" etc.). Wollte ich mal loswerden, ohne gleich eine ganze Liste mit Alben hinzuschreiben, dieses eine reicht. Ansonsten Mendelssohn. Und Beethoven, meine Güte. Und zwar unter dem Dirigat von Otto Klemperer. 1990, Heavy Metal war meine Frisur und meine Musik, kam mein Neffe auf die Welt, mein Vater kam aus dem Krankenhaus und brachte mir die erste Ausgabe von "Große Komponisten und ihre Werke" mit, das war eine Heftreihe samt CD mit Meilensteinen der klassischen Musik. Die genannte Ausgabe widmete sich der Fünften Sinfonie von Ludwig van Beethoven, gespielt von den Wiener Symphonikern unter Otto Klemperer. Ich verliebte mich. In den letzten Jahren hörte ich überwiegend Bach und Dvořák, mein Neffe wurde erwachsen und trinkt jetzt gerne Bier. Dann war ich vor ein paar Wochen in der Laeiszhalle und u.a. wurde da Beethovens drittes Klavierkonzert gegeben, das mich sehr packte und ich kaufte mir mehrere Versionen der Klavierkonzerte und schließlich auch einige Gesamtausgaben der Sinfonien. Schlussendlich suchte mich der alte Klemperersound heim und ich fühlte mich zuhause (nur die Haare wachsen nicht mehr so). Das ist ja eine Wissenschaft für sich, welche Dirigenten für bestimmte Stücke die besten sind, ich lese das sehr gern in Klassikforen wie diesem, auch wenn das alles nicht wirklich in Allgemeingültigkeit übersetzt werden kann. Ich übersetze meine Person jetzt in einen schönen von Freitag-auf-Samstag-Schlaf und komponiere darin eine Melodie für den Weltfrieden.

01.03.11

Zu gut, den Berg nicht zu bezwingen

"Mit ihm kann man Pferde stehlen. Seine Pferde."
(Matthias Geis und Bernd Ulrich, DIE ZEIT, 24.02.2011)


Sie wissen doch, die Zeit heilt alle Kunden
die unzufrieden sind mit Wunderheilern, stapeln Sie

sämtliche Lorbeerkränze auf Ihr Kopfzerbrechen
so hoch wie alle Luftsprünge aller Lottogewinner aller Zeiten zusammen

nehmen Sie deren Schmerztabletten ein
und wenn Sie wieder landen, ziehen Sie das Clark Kent-Kostüm aus

lassen Sie CDs mit Ihrem Zähneknirschen brennen
wie einen Scheiterhaufen und kinnladen Sie sich den Mund herunter

bis zum Adelsgeschlecht, um sich fortzupflanzen
im festen Glauben an die eigene Stärke, um Himmels willen

nehmen Sie nicht ernst, was andere sagen, die zitieren doch nur
andere und somit sich selbst

Pferdedieb ist kein akademischer Grad, ein Sündenbock aber
raubt Ihnen den gerechten Schlaf, stahl

sich unverrichteter Dinge davon
ein paar Stunden und den einen großen Traum: Ich

werde sein, was noch keiner gewesen ist, nicht Doktor
und auch nicht Patient

ich werde regieren: werde mich in Zukunft beherrschen können

27.01.11

hängt euch gedichte an die wand

ich mag ja korrespondenzen. manchmal zumindest. in bestimmten fällen. ein altes gedicht von mir (aus "biete bluterguss & suche das weite") erschien anfang januar als poetryletter no. 165 auf fixpoetry. die illustration von petrus akkordeon erweitert mein gedicht bilderbuchmäßig. und wer es noch breiter mag, der kann sich über fixpoetry.com drucke der dort erschienenen poetrylettereien kaufen und an die wand nageln.

01.11.10

selbstportrait beim schlafen


diana f+, langzeitbelichtung, 10-15 minuten etwa.
hamburg, 2009

21.10.10

why are you staring into outer space, crying?

an elliott smith mochte ich, dass er nicht schön war. seine lieder waren es dafür umso mehr. als es nur noch einen musiker gab, auf dessen neues album ich wirklich wartete, erstach er sich. heute vor sieben jahren. da musste ich die augen schließen. sogar im dunkeln. weil die schönheit keine rolle mehr spielte, sondern krieg. all die schönen leute mit ihren schönen songs und ihren schönen hörern. sie standen mir allesamt gegenüber. bereit zu töten. als ich dann aber die augen schloss, blieb nur einer übrig. keiner sang so, keiner klang so. keiner wirkte so. auf mich. und ich blieb ein album lang regungslos auf dem kopfkissen liegen, während mein zurückgebliebener körper im beinhaus ein alibi tanzte. keiner sonst war da. hallo? ist da jemand? ballad of big nothing.
geiler song, sagte helmut. wer isn das? das war der tag, an dem ich die vielen schweigeminuten, die ich in meinem leben bisher ausgelassen hatte, nachgeholt habe. ich glaube nicht, dass elliott smith mich gekannt hat. aber er hat dennoch genug für mich getan. er hat nicht aufgehört.

08.10.10

07.10.10

im sammeln begriffen

ganz viele: scheinwerfer haben nur noch münzen übrig
sie zahlen von der brücke aus
das geklimper

die blechtrommeln spielen
die gegenklopfenprelude

fahrer fluchen, drehen das radio auf bis es regnet

bevor sie das abblendgesicht des gegenverkehrs
verschlucken, das sich in lichtgeschwindigkeit
in magenbefindlichkeit verwandelt, der regen kam

mir heute, am 6.10.2010
vor wie der größte sammelbegriff für all die aussichten

oder wie ganz viele größte sammelbegriffe für welt
morgen muss ich arbeiten, für den rest des lebens

auch, weil die kollegin, die mir die uhr auf die hand malt
und die kollegin, die mir aus der hand lesen kann, krank

sind: sie alle, die münzautomaten für streicheleinheiten

ganz viele von ihnen spucken das geld wieder aus

11.08.10

05.08.10

feiertag



hamburg, 2010
 
Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de